27. 4. – Beschuldigungen

Aus dem Tolstoi Kalender der Weisheit – 27. April

Krankheit    Vergebung   Gottes Gesetz

pebbles-1209189_960_720Häufig beschuldigt man andere, weil man schlecht gelaunt ist; meistens erzeugt jedoch die Beschuldigung anderer ein schlechtes Gewissen. Je mehr man andere beschuldigt, desto schlechter fühlt man sich. Tolstoi

Stehen sich zwei Menschen feindselig gegenüber, tragen beide Schuld daran. Egal, welche Zahl man mit null multipliziert, wie gross sie auch sei, es ergibt immer null. Wenn also Feindseligkeit herrscht, ist es die Feindseligkeit zweier Menschen gegeneinander, die in beiden vorhanden ist. Tolstoi

Lebst du mit jemandem zusammen, dann kommt miteinander überein, dass ihr mit der Auseinandersetzung aufhört, sobald einer von euch anfängt, den anderen zu beschuldigen. Tolstoi

Des Mystikers Sicht: Joshua, Herr der Vergebung. 23. Kapitel 3-13 

Apadlocks-960979_960_720ls Joshua aus der Synagoge kam, heilte er auch jene, die sich in der Zwischenzeit im Tempelhof eingefunden hatten. Ein Mann mittleren Alter näherte sich ihm in großer Verzweiflung und sagte: „Ehrwürdiger Rabbi-Heiler, ich bin ein vom Unglück verfolgter Mann. Meine Frau leidet seit vielen Jahren an einer qualvollen Hautkrankheit. Sie kratzt sich, bis sie blutet. Mein zwölfjähriger jüngster Sohn ist gelähmt und meine achtjährige Tochter leidet an Epilepsie. Sie sind unterwegs von Bethanien, wo wir wohnen, doch sind sie noch nicht eingetroffen. Und du hast jetzt die Heilungen beendet und wirst gehen, bevor sie hier ankommen.“

„Mein lieber Dan“, sagte Joshua sanft, „ich werde morgen nach dem Morgengottesdienst hierher zurückkommen. Komme drei Stunden nach Sonnenaufgang wieder hierher mit deiner Familie.“ Und so wartete Dan mit seiner Frau und den Kindern im Hof der Synagoge. Joshua begrüßte sie und sagte: „Shlam, Dan. Rebecca, meine Liebe, steh auf.“ Er nahm ihre Hand und half ihr aufzustehen. Und die Frau fühlte Wärme durch ihren ganzen Körper fließen und sie war geheilt.

Der Junge lag auf einer grünen Wolldecke auf den Pflastersteinen, mit vor Angst aufgerissenen Augen. Joshua nahm seine rechte Hand und sagte: „Komm Reuben, du bist jetzt gesund. Ich helfe dir aufzustehen.“ Und der Junge konnte stehen, vollständig geheilt. Joshua umarmte ihn und sagte: „Reuben, du musst an Alaha glauben. Er liebt dich. Du musst dein Herz mit Liebe für Alaha und für alle andern Menschen füllen.“

Das Mädchen klammerte sich an seine Mutter. Der Gott-Mensch legte seine Hand auf ihren Kopf und sagte: „Hannah, schau mir in die Augen. Du bist jetzt gesund, mein Kind, und du wirst keine Anfälle und keine Krämpfe mehr haben.“ Dan starrte den Gott-Menschen in ehrfurchtsvoller Scheu und Verwirrung an. „Wie kommt es“, stotterte er, „dass du unsere Namen kennst? Bist du ein Prophet?“ Joshua erwiderte: „Ich bin der Eine, der euch alle liebt und alles über euch weiss.“

Mittlerweile waren zwei starke Männer in den Hof gekommen. Sie schleppten eine halb nackte junge Frau. Ihnen folgten zwölf weitere Männer, die mit Steinen bewaffnet waren, und ein abscheulich aussehenden Kerl, der an Krücken ging.

Die Frau hieß Susanna. Sie war ein sehr hübsches Mädchen von achtzehn Jahren, aber so arm, dass sie gezwungen war, jungen Israeliten ihren Körper in den Straßen gegen Geld anzubieten. Das hatte sie getan seit sie vierzehn Jahre alt war. Der gelähmte Mann war Nahum, ein reicher Mann mittleren Alters, den Susanna verschmäht hatte. Durch ihre Abweisung war Nahum so erzürnt, dass er einen jungen Mann gedungen hatte, das Mädchen in den Straßen von Yerushalayim zu vergewaltigen und sie sodann des Ehebruchs anzuschuldigen. Nahum hatte auch die anderen Männer bestellt, die sie steinigen sollten.

Zwei Pharisäer, zwei Schriftgelehrte und ein Rabbi hörten das Geschrei und kamen aus dem Tempel. Das Mädchen wurde vor sie geschleppt, um Anklage des Ehebruchs in der Öffentlichkeit zu erheben. Joshua näherte sich ihnen, was ein schlaues Lächeln auf die Lippen des Rabbi brachte, denn er sah in diesem Vorfall eine Gelegenheit, den Gott-Menschen in eine Falle zu locken. Susanna wurde gewaltsam zu Boden geworfen und Nahum hinkte nach vorne, um seine Anschuldigungen vorzubringen. Das Mosaische Gesetz schrieb vor, dass jede Frau, die im Ehebruch ertappt wurde, zu Tode gesteinigt werde.

Am folgenden Morgen jedoch fand er sich wieder im Tempel ein, und das gesamte Volk kam zu ihm; er setzte sich dann und lehrte sie. Da führten die Schriftgelehrten und Pharisäer eine Frau herbei, die beim Ehebruch ergriffen worden war, stellten sie in die Mitte und sagten zu ihm: „Malpana, diese Frau ist auf frischer Tat ergriffen worden. Nun hat Moses uns im Gesetz geboten, solche Frauen zu steinigen. Was sagst du nun dazu?“ Dies sagten sie aber, um ihn zu versuchen, damit sie einen Grund zur Anklage gegen ihn hätten. Joshua aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf den Erdboden. Als sie aber ihre Frage mehrfach wiederholten, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: „Wer unter euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein auf sie!“ Hierauf bückte er sich aufs Neue und schrieb auf dem Erdboden weiter. Als aber jene das gehört hatten, gingen sie einer nach dem andern weg, die Ältesten zuerst bis zu den Letzten und Joshua blieb allein zurück mit der Frau, die in der Mitte stand. Da richtete Joshua sich auf und fragte sie: „Frau, wo sind deine Ankläger? Hat keiner dich verurteilt?“ Sie antwortete: „Keiner Herr“ Da sagte Joshua: „Auch ich verurteile dich nicht: gehe hin und sündige hinfort nicht mehr!“ Nun redete Joshua aufs Neue zu ihnen und sagte: „Ich bin das Licht der Welt: wer mir nachfolgt, wird nicht in Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben.“  (Johannes 8:2-12)

Susanna küsste die Hand Joshuas, ehe sie verwirrt und verängstigt wegging. Joshua wandte sich an den von Ehrfurcht ergriffenen Nahum, der immer noch einen Stein in seiner Hand hielt. „Nahum“, sagte Joshua, „wirf den Stein weg und entferne aus deinem Herzen den Dämon der Bosheit.“ Nahum starrte verwirrt und benommen vor sich hin und ließ den Stein fallen.

Kranke Menschen hinkten in den Hof oder wurden getragen und Joshua heilte sie alle. Nahums Schuldgefühl plagte ihn so sehr, dass er nicht wagte, den Gott-Menschen um Heilung zu bitten. Als er sah, wie andere gelähmte Menschen geheilt wurden, konnte er seine Tränen nicht zurückhalten. Joshua ging zu ihm hin, streichelte seinen Kopf und sagte: „Nahum, deine Sünden sind dir vergeben. Deine Tränen der Reue haben dein Herz rein gewaschen. Geh jetzt, denn du kannst gehen, und der barmherzige Alaha wird dir den Weg zeigen.“ Und somit wurden Nahums Körper und seine Persönlichkeit geheilt.

Alles nun, was ihr von anderen Menschen erwartet, das erweist auch ihr ihnen ebenso. (Matthäus 7:12) 

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