31. 8. – Kunst

Aus dem Tolstoi Kalender der Weisheit – 31. August

Kunst   Gefühle

thm_vergesslicher-engel_kleeDas Kunstschaffen und der Verkauf von Kunst sind heute meist reine Prostitution. Der Vergleich hält in allen Einzelheiten stand. Wirkliche Kunst schafft sogar ein echter Künstler nur selten; wie ein Kind im Mutterleib ist sie die reife Frucht seines vergangenen Lebens. Falsche Kunst hingegen stellen Kunsthandwerker pausenlos je nach den bestehenden Marktforderungen her. Wie eine treue Frau, die ihren Mann liebt, braucht wirkliche Kunst keinen übermässigen Schmuck; wie eine Hure verlangt die falsche Kunst nach Verzierung. Tolstoi     

Wenn ich wüsste, was Kunst ist, würde ich es für mich behalten. Pablo Picasso

mona-lisa-74050_960_720

Wirkliche Kunst entsteht aus einem Drang des Künstlers, die Gefühle auszudrücken, die sich in ihm gebildet haben, genau wie eine Mutter ihr Kind gebären muss. Falsche Kunst hört nur auf Gewinn. Wirkliche Kunst bereichert das Leben mit einem neuen Gefühl, wie auch die Frau einen neuen Menschen zur Welt bringt. Tolstoi 

Falsche Kunst verdirbt: Sie zerstreut den Menschen, lenkt ihn ab und schwächt seine Geisteskraft. Das muss jeder begreifen, wenn er das schreckliche Wuchern dieser schmutzigen, zügellosen Kunst meiden will, die ganz offensichtliche Prostitution ist. Tolstoi

Die Kunst ist zwar nicht das Brot, wohl aber der Wein des Lebens.  Jean Paul

Die Kunst ist eine Vermittlerin des Unaussprechlichen. Johann Wolfang von Goethe

»Zu erfinden, zu beschließen,
Bleibe, Künstler, oft allein;
Deines Wirkens zu genießen,
Eile freudig zum Verein!
Hier im Ganzen schau‘, erfahre
Deinen eignen Lebenslauf,
Und die Taten mancher Jahre
Gehn dir in dem Nachbar auf.

Der Gedanke, das Entwerfen,
Die Gestalten, ihr Bezug,
Eines wird das andre schärfen,
Und am Ende sei’s genug!
Wohl erfunden, klug ersonnen,
Schön gebildet, zart vollbracht –
So von jeher hat gewonnen
Künstler kunstreich seine Macht.

Wie Natur im Vielgebilde
Einen Gott nur offenbart,
So im weiten Kunstgefilde
Webt ein Sinn der ew’gen Art;
Dieses ist der Sinn der Wahrheit,
Der sich nur mit Schönem schmückt
Und getrost der höchsten Klarheit
Hellsten Tags entgegenblickt.

Wie beherzt in Reim und Prose
Redner, Dichter sich ergehn,
Soll des Lebens heitre Rose
Frisch auf Malertafel stehn,
Mit Geschwistern reich umgeben,
Mit des Herbstes Frucht umlegt,
Daß sie von geheimem Leben
Offenbaren Sinn erregt.

Tausendfach und schön entfließe
Form aus Formen deiner Hand,
Und im Menschenbild genieße,
Daß ein Gott sich hergewandt.
Welch ein Werkzeug ihr gebrauchet
Stellet euch als Brüder dar;
Und gesangweis flammt und rauchet
Opfersäule vom Altar.«

Johann Wolfgang von Goethe

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.