5. 10. – Bemühung

Aus dem Tolstoi Kalender der Weisheit – 5. Oktober

Böses    Das Gute   Innenschau

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Drei Kräfte wirken zusammen und zeitigen Ergebnisse. Es sind dies Schicksal, Zufall und Bemühung. Bemühung ist die Voraussetzung für alles Gute. Mahābhārata

Etwas Gutes erfordert stets eine Bemühung, wenn man sich immer wieder bemüht, wird das Gute zur Gewohnheit. Tolstoi

Dein Geist muss sich ständig behaupten, weil sich der Körper ständig vordrängt. Sobald du aufhörst, am Geist zu arbeiten, hat der Körper alle Macht über dich. Tolstoi

Verschmähe keine Handlung, die dir hilft, Gutes zu erreichen, oder, noch wichtiger, die dich daran hindert, Böses zu tun. Tolstoi

Des Mystikers Sicht: …Also müsst ihr die Natur eures Unterbewusstseins in der Introspektion, der meditativen Innenschau, überprüfen. Die Natur und den Grad der Reinheit, kurz, die Beschaffenheit der  Elementale (Gedanken- oder Emotionalformen) in eurem Unterbewusstsein. Doch wer ist es, der Innenschau übt? Ist es der Teil von unserem Selbst, den wir Egoismus nennen oder sind wir es selber? Natürlich wollen wir selbst es, wenn wir uns dazu entschließen, und nicht unser Egoismus. Und indem wir in der Introspektion lediglich unsere göttliche Natur des Beobachtens stärken, verschaffen wir uns eine Gelegenheit, unseren Egoismus zu ertappen, der sich sonst als unser wahres Selbst verkleidet.

Nun, ich beschrieb den Vorgang bereits in früheren Vorträgen: Du rufst dir eine Szene in Erinnerung, die sich während des Tages abgespielt hat. Ein ernsthafter Wahrheitsforscher wird auch die Natur des Gedächtnisses, des Erinnerungsvorganges und des Visualisierens vergangener Situationen untersuchen. Das zu tun gehört zu den Stärken unseres unsterblichen, göttlichen Selbst. Und unser wahres Selbst kann jetzt, indem es seine göttlichen Fähigkeiten von Beobachtung und Meditation ausübt, das heißt, indem es von Geist-Substanz selbstbewusst Gebrauch macht, gewisse Schlüsse ziehen.

Die Übung der Innenschau ist überaus notwendig. Natürlich brauchen wir als Unterstützung eine Richtlinie, eine Art Checkliste. „Was habe ich gesagt, was ich besser nicht gesagt hätte? Wo habe ich etwas nicht gesagt, was ich eigentlich hätte sagen sollen? Was habe ich getan, was ich besser unterlassen hätte? Und was habe ich versäumt, was ich eigentlich hätte tun sollen?“

Ein Beispiel: Ich höre gerade Beleidigungen und kränkende Worte. Natürlich begebe ich mich ebenfalls auf diese Stufe, und beginne zu beleidigen und harte Worte auszusprechen. Sollte ich das auf diese Weise sagen? War es notwendig, so zu reagieren, nur um Kontra zu geben? Jetzt beschließe ich, dass ich so nicht hätte reagieren sollen. Der Egoismus, der nicht identisch ist mit dir, wird sich jetzt regen. „Ja, aber er hat dir solche Gemeinheiten gesagt, warum solltest du nicht genauso antworten?“ Das ist der Moment, ihn zu enttarnen. „Jetzt hab ich dich, jetzt hast du dich verraten. Du bist nicht ich!“ Doch natürlich hätte es auch schlimmer kommen können, nämlich dass dich der Bursche stößt und nicht nur beleidigt und kränkt, aber wenn er gar tritt oder schlägt…

Was sagte Joshua Emanuel, der Gottmensch? „Wenn dich jemand auf die eine Wange schlägt, dann biete ihm auch noch die andere an, um die Dinge zu beruhigen!“ Angenommen, jemand würde dich beleidigen, kränken, oder sogar angreifen, ist es dann notwendig, das gleiche zu tun? Was wäre das Ergebnis? – Du solltest es also nicht tun! Doch wiederum tritt der Egoismus zu Tage: „Jetzt hat dich der doch glatt getreten. Er hat dich doch geschlagen. Warum solltest du ihm nicht eine geben?“ – Und dann fängst du ihn. „Nein! Nicht du bestimmst! Ich bestimme. Ich kenne deine Natur“.

Oder angenommen du bist zu Hause oder im Büro und du hörst Kinder schreien oder weinen. Du bist aufgebracht und es geht dir entsetzlich auf die Nerven. Du könntest sagen, es wäre menschlich, seine Beherrschung zu verlieren. Und dann schreist du vielleicht auch oder verteilst Schläge. Was hast du getan, was du nicht solltest? Du hast geschlagen. Was solltest du tun, was du nicht getan hast? Du solltest ruhig sein, still, und dein Kind an dich drücken, es umarmen, küssen, und fragen: „Was ist denn los?“ Das zeigt, wie wertvoll diese Formel sein kann. Wir können sofort beginnen, die Innenschau zu üben. Und wir werden großen Gewinn daraus ziehen. Auf diese Weise kannst du dein wahres Selbst von dem trennen, was du früher für dein Selbst gehalten hast, was jedoch nicht mehr ist als das Verhalten deines Persönlichkeitsegoismus. Daskalos 11.5.1993       

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