17. Kapitel In Gedanken, Worten und Taten – Der göttliche Plan

Yioussouf wird in Nazareth beerdigt. Joshua geht nach Yerushalayim zu einer Ratsversammlung der Essener Rayis Rabbis. Der Essener Rat wägt sein Verhalten ab, angesichts der Gewalttaten gegen ihre Gemeinden, Joshua berät die Rayis Rabbis, er heilt Kranke und lehrt seine Jünger.

Himmlischer Vater, vergib uns unsre Schulden, wie auch wir sie unsern Schuldner vergeben.   (Matthäus 6:12)

Am nächsten Tag, eine Stunde vor Sonnenaufgang, fuhr ein vierrädriger, von zwei Pferden gezogener Wagen mit Yioussoufs Sarg nach Nazareth. Yiossaphat mit seinem Bruder Yiacoub zur Seite lenkte die Pferde. Rechts vom Sarg saßen Joshua, Maria, Tamar und Esther auf niedrigen Hockern. Auf der linken Seite saßen Esthers Ehemann Altai und Tamars Ehemann Manasseh mit seinen beiden Söhnen.

Sechs vierrädrige Wagen folgten. Zuerst kam der Wagen, der dem Bistum von K’far Nahum gehörte, mit dem Rayis Rabbi Samuel, der später nach Yerushalayim weiterreisen wollte. Yiacoub und sein Vater Shabbatai führten die Pferde. Myriam Shalome, Yiohannan, Yiassounai, Naomi und Yioussoufs Enkelkinder saßen hinter ihnen. In den anderen Wagen saßen weiter Verwandte und Freunde. Es war eine Reise von dreiundzwanzig Meilen und eine Stunde nach Sonnenuntergang ruhte Yioussoufs Sarg im Hause in Nazareth, das Yiossaphat und seine Familie von Yioussouf und Maria erhalten hatten.

Die ganze Nacht wachten Joshua, Maria, Yiossaphat, Esther, Tamar, Yiacoub und die anderen Söhne Yioussoufs betend beim Sarg, wie es bei den Essenern üblich war. Am nächsten Morgen begruben der Rayis Rabbi Samuel und David, der Essener Rabbi von Nazareth, die sterbliche Hülle Yioussoufs im Friedhof des Essener Tempels, zweihundert Yards vom Haus entfernt.

Am nächsten Tag – es war der zweite Tag im Monat Ab (August) – kehrten Tamar mit ihrer Familie, Myriam Shalome und Shabbatai nach K’far Nahum zurück und Esther, Altai und ihre zwei Söhne fuhren nach Kana. Yiossaphat hatte Maria eingeladen, bei seiner Familie in Nazareth zu bleiben, doch Samuel erinnerte sie an ihre Aufgaben in K’far Nahum. Schließlich kamen sie überein, dass sie nach einem Monat zurück nach K’far Nahum gehen würden.

Rayis Rabbi Ephraim hatte für die erste Augustwoche eine Ratsversammlung der Essener Rayis Rabbis nach Yerushalayim einberufen, um schwerwiegende Angelegenheiten der Essener Gemeinden in Palästina zu besprechen. Samuel, der Rayis Rabbi von K’far Nahum, war der Zweithöchste im Rang der Essener Rayis Rabbis. Er war dem Rayis Rabbi Ephraim seit Jahren in brüderlicher Liebe zugetan.

Am dritten Tage im August machten sich Samuel, Joshua, Yiohannan, die beiden Yiacoubs, Naomi und Yiassounai auf nach Yerushalayim. Es war eine Reise von mehr als sechzig Meilen, meistens über bergige Wege. Zu dieser Zeit waren die Wege zwar befahrbar, doch sehr steil, besonders nach Sykhar in Samarien über den Berg Gavaal und zur Stadt Ephraim in Judäa über den Berg Gavazin. Dort stieß Rayis Rabbi Naasson vom Bistum Ephraim zu ihnen. Nach Yerushalayim waren es noch weitere dreißig Meilen. Sie reisten in der drückenden Hitze des Tages, aber auch bei Nacht. Die vom Mond erhellten Nächte im August waren sanft, kühl und sehr angenehm.

Die Reise dauerte zwei Tage und zwei Nächte. Am dritten Tag, eine Stunde nach Sonnenaufgang, fuhren die Reisewagen durch die Tore des Essener Bistums. Stefanos hatte sie längst geöffnet, da er sehnsüchtig ihre Ankunft erwartete. Rayis Rabbi Ephraim und zehn andere Rayis Rabbis der Essener Bistümer von ganz Palästina beteten im Tempel zu Alaha. Zwei weitere Rayis Rabbis wurden noch erwartet.

Joshua, Samuel, Naansson, Yiohannan und Yiassounai gingen direkt in den Tempel. Naomi begab sich ins Zimmer für Besucher, während die beiden Yiacoubs sich um die vielen Wagen und Pferde sich kümmerten.

Nach dem Morgengottesdienst wurden die Rayis Rabbis, die Ältesten und ihre Gäste zum Frühstück in die Speisezimmer geladen. Unter den Gästen waren Yiassounais Eltern, Ivikos und Aethra, die Naomi abholen wollten.

Yiassounai versprach seinem Vater, dass er nach der Beendigung der Versammlung wieder regelmäßig seine zwei freien Tage pro Woche mit ihnen verbringen werde. Ivikos wollte am nächsten Tag Yiassounais Großvater Manasseh zu einem Besuch ins Bistum bringen.

Yiassounai ging alsdann in Joshuas Räume, um nachzusehen, ob alles in Ordnung war. Dort fand er Stephanos, der ihn wortlos umarmte und küsste. Alles war sauber und aufgeräumt und ein lächelnder Yiassounai küsste Stephanos und bedankte sich. „Mein lieber Yiassounai“, fragte Stephanos, „warst du in K’far Nahum glücklich? Ich weiß, dass du glücklich warst in der Nähe von Joshua. Ich aber war hier sehr einsam ohne dich.“

„Natürlich war ich glücklich“, antwortete Yiassounai, „doch auch ich habe dich vermisst. Ich habe Is-shaak immer wieder „Stephanos genannt.“ Wer ist Is-shaak?“, fragte Stephanos.

„Der Neffe von Rayis Rabbi Samuel“, sagte Yiassounai, „er ist ungefähr so alt wie du und auch ein Novize. Er ist ein guter Freund und Bruder und war immer nett zu mir, doch er ist nicht mein geliebter Stephanos. Ich vermisse ihn jetzt nicht so, wie ich dich vermisst habe. Jede Nacht bin ich zu dir gekommen Stephanos. Ich weiß, dass du in meinem Bett geschlafen hast und erst heute Morgen hast es frisch bezogen.“

„Ja“, sagte Stephanos, „ich fühlte deine Gegenwart, doch dachte ich, es könnte nur Einbildung und Wunschdenken sein.“ „Ich werde dir etwas anderes sagen“, sagte Yiassounai. „Du hast die Schlüssel bei dir, nicht wahr? Und du weißt, dass ich noch nicht in meinem Zimmer war? Dort stehen vier neue Töpfe, die du weiß gestrichen und mit großblättrigem Basilikum bepflanzt hast, zwei an jedem Fenster.

Vor drei Nächten, um Mitternacht, warst du durstig. Du bist aufgestanden und nahmst die Tonschale, um sie mit Wasser zu füllen, aber du bist gestolpert, hast dir einen Knöchel verdreht, und die Schale und der Krug ging in Brüche. Der Krug beim Fenster ist neu und grösser als der alte und die Schale ist eine von deinen. Dein Knöchel schmerzt immer noch, nicht wahr, Stephanos?“

Yiassounai lächelte seinen verblüfften Freund an und sagte: „Warum übst du nicht, dein Selbst-Bewusstsein auszudehnen und deinen grobstofflichen Körper willentlich zu verlassen? Es ist nicht schwer. Ich habe das vor vielen Jahrhunderten gelernt. Du musst nur aufwachen, während dein Körper schläft.“ Auch Stefanos lächelte und schaute seinen Novizen Bruder mit großer Liebe an: „Noch nicht“, sagte er, „ich habe jetzt noch anderes zu tun.“

Am nächsten Morgen, nach dem Gottesdienst, war die erste Versammlung der Rayis Rabbis und der Essener Ältesten in der Synagoge. Rayis Rabbi Ephraim bat Joshua, die Diskussion zu eröffnen. Es war Joshuas Wunsch, dass diese Diskussionen im Geist der Liebe zu Gott und zu allen Mitmenschen geführt würden, ohne boshafte Gesinnung. Mit nach oben ausgestreckten Armen sprach er auf Griechisch und Aramäisch zu ihnen:

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Denken und deine Mitmenschen wie dein eigenes Selbst.  (Matthäus 22:37, 39)   (Handschrift von Daskalos)

Da sich mehr als hundert Heilung Suchende lärmend im Tempelhof versammelt hatten, bat Joshua die

Rayis Rabbis und die Ältesten, ihn zu entschuldigen. Er gab Stephanos und Yiassounai ein Zeichen ihm zu folgen, verließ die Halle der Synagoge und ging in den Hof um zu heilen.

In der Zwischenzeit bat Ephraim die versammelten Rayis Rabbis ihre Berichte aus erster Hand zu geben. Einige konnten kaum ihre Wut gegen die Israeliten verbergen.

Am dritten Morgen hielten die Rayis Rabbis und die Essener Ältesten am gleichen Ort ihre zweite Sitzung. Ephraim bat Joshua, anwesend zu sein und sein Gebet der Lobpreisung Alahas zu sprechen. Mit nach oben gestreckten Armen betete Joshua auf Griechisch und Aramäisch: (Handschrift von Daskalos)                 

Unser Vater, der du bist in den Himmeln und überall. Dein Name ist heilig. Dein Reich ist hier und überall. Dein Wille geschieht auf Erden so wie in den Himmeln.“ (Matthäus 6:9-10)

„Ehrwürdige Rayis Rabbis und Älteste“, fuhr Joshua fort, „nicht ein einziges Blatt fällt von einem Baum, wenn es nicht der Wille Alahas ist. Einzig Alaha ist unser Schutz.“ Joshua überließ nun seinen Platz dem Rayis Rabbi Ephraim.

Ephraim bat den Rayis Rabbi Nansson des Bistums Kir-Hareseth, der sich mit Handzeichen eifrig zu Wort meldete, zu sprechen. Nansson konnte seinen Zorn nicht verbergen. Ehrwürdige Rayis Rabbis und Älteste“, sagte er mit Bitterkeit, „wir, die Essener in Palästina, sind ein Drittel der Bevölkerung. Palästina ist unter der Herrschaft des römischen Reiches, des israelitischen Königs Herodes und der israelitischen, religiösen Instanz des Sanhedrins.

Wir Essener sind friedliebende Menschen. Wir haben die Sklaverei schon vor Jahrhunderten abgeschafft. Alaha, den wir verehren, ist barmherzig. Der Alaha von Moshe (Moses) ist grausam und rächend; ein strafender Alaha mit allen menschlichen Schwächen.

Wir Essener bringen Alaha keine Blutopfer von Tieren und Vögeln mehr dar. Wir haben in unserem Leben das Gesetz <Liebe alle – vergib und vergiss> Das Gesetz der Rache verlangt <Auge um Auge, Zahn um Zahn>, doch unser geliebter Joshua lehrte uns <Wer dich auf die Wange schlägt, dem halte auch die andre hin.>

Wir leben nicht mehr nach den vielen grausamen, unzeitgemäßen Vorschriften des Mosaischen Gesetzes. Und deshalb betrachtet uns der Sanhedrin als Ketzer und wir haben unter ihm zu leiden.

Vor sechs Monaten meldete ich dem Rayis Rabbi Ephraim ein Verbrechen, das der Sanhedrin gegen uns begangen hat. Und jetzt, vor einem Monat, geschah in Kir-Hareseth ein weiteres Verbrechen. Assa war ein Tischler. Sein Haus stand zwischen unserer kleinen Essener Gemeinde und dem viel größeren israelitischen Quartier. Vierfünftel der Menschen, die in Kir-Hareseth leben, sind ja Israeliten. Vor sechs Monaten setzten Israeliten auf Befehl des Sanhedrin Assas hölzerne Werkstatt und sein Haus in Brand. Das Feuer wurde eine Stunde vor Mitternacht gelegt. Assa, seine Frau und seine drei Kinder, die im obersten Stock schliefen, verbrannten bei lebendigem Leib. Assas Verbrechen war, dass er am Sabbat gearbeitet hatte.

Und vor einem Monat rächte sich der Sanhedrin an einem verarmten, verwaisten Essener Mädchen und deren Mutter. Rahab lebte mit ihrer Mutter in einer Hütte von nur einem Raum im israelitischen Quartier. Die Hütte war hundert Yards von den Webstühlen entfernt, an denen sie arbeiteten. Rahab war achtzehn Jahre alt und sehr hübsch. Der Schwiegersohn des Eigentümers der Webstühle, ein ungehobelter junger Israelit, verliebte sich in Rahab, ohne dass sie ihn im geringsten in seinen sündlichen Gefühlen ermutigt hätte. Seine Frau, die reiche Tochter des Eigentümers der Webstühle, die fünfzehn Jahre älter als er, sehr fett und faul.

Rahab wies seine Annäherungsversuche zurück, was ihn in Wut versetzte. Er begann, seine Frau zu vernachlässigen, zu beleidigen und sogar zu schlagen. Daraufhin beschuldigten seine Frau Rahab und ihre Mutter, Hexen zu sein, die ihren Ehemann verzaubert hätten. Sie verbreitete auch das Gerücht, dass Rahab liederlich sei und teuflisch hinterlistig, sich zudem auf den Straßen israelitischen Männern hingebe und Jünglinge verführe.

Diese Lügen unterbereitete sie schriftlich dem israelitischen Rabbi, der den Sanhedrin vertrat. Der Sanhedrin gab dem Rabbi den Rat, die Anschuldigungen zu untersuchen und zu handeln, ohne den Sanhedrin darin zu verwickeln, um Konflikte mit den Behörden der Römer zu vermeiden. Wenn es zu einer Hinrichtung kommen sollte, dann solle es als spontane Reaktion der gerechten Empörung der Leute erscheinen.

Im Einvernehmen mit dem israelitischen Rabbi von Kir-Hareseth gab das böse Weib insgeheim einen Auftrag an vier Schläger und einem bestechlichen jungen Mann, die sie reichlich bezahlte. Eines Tages nach Sonnenuntergang, als Rahab und ihre Mutter von der Arbeit nach Hause gingen, kam der junge Mann hinter einem Steinhaufen hervor, den die Schläger vorbereitet hatten. Er fasste Rahab, riss ihre Kleider vom Leib und vergewaltigte sie.

Als Rachel um Hilfe schrie, erschienen die vier Verbrecher mit Steinen in den Händen. Rachel wurde wieder und wieder am Kopf getroffen. Sie starb in einer Blutlache. Als der junge Mann seine brutalen Triebe am Körper des bewusstlosen Mädchens befriedigt hatte, überließ er sie den Mördern, die auch sie zu Tode steinigten. Eine ganze Nacht blieben die blutigen Körper auf der Straße liegen. Als mir diese Verbrechen am nächsten Tag vor Sonnenaufgang gemeldet wurden, eilte ich dorthin mit zwei Frauen, die dem Bistum dienen. Wir hüllten Rahabs Körper in Tücher aus Leinen und nahmen beide mit zur Bestattung.

Ehrwürdige Rayis Rabbis und Älteste, ihr wisst genau, dass diese nicht die einzigen Vergehen sind, die der Sanhedrin gegen uns begangen hat. Die Samaritaner wurden ähnlich schlecht behandelt, bis sie das römische Bürgerrecht annahmen. Das hat sie vom Joch des Mosaïschen Gesetzes und den Peitschen des Sanhedrins befreit. Obwohl das römische Gesetz verlangt, dass der römische Statthalter alle Todesurteile bestätigen muss, stellt er sich den Verbrechen des Herodes und des Sanhedrin gegenüber allzu oft blind. Dadurch will er uns zwingen, zu unserem eigenen Schutz das römische Bürgerrecht anzunehmen.

Die ägyptischen Essener sind römische Bürger. Warum nehmen wir das römische Bürgerrecht nicht auch an, zu unserem Schutz? Es ist an der Zeit, diese Angelegenheit sehr sorgfältig zu überdenken.“

Rayis Rabbi Samuel von K’far Nahum antwortete: „Ehrwürdiger Rayis Rabbis und Älteste, ich will in keiner Weise meinem Bruder, dem Rayis Rabbi Naasson die Schuld zuweisen; ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass in vielen Fällen, wie auch in diesen beiden herzzerreißenden Vorfällen, Verbrechen vorsehbar sind und daher vermieden werden könnten. Solche Verbrechen geschehen allzu häufig, nicht nur mit Essenern als Opfer, sondern auch mit israelitischen Brüdern.

Unser Ziel darf nicht sein, Schuld zuzuweisen, sondern Wege zu finden, um uns selbst zu schützen. Vielleicht hat mein Bruder Naasson die Botschaft unseres geliebten Messias Joshua nicht verstanden. Wenn ihn richtig versteh, lehrt er uns, zu Alaha, unserem Vater, um Schutz zu beten, und unser Vertrauen nicht in menschliche Götzenanbeter zu setzen. Er lehrt uns, dass wir alle Mitmenschen als Kinder Alahas lieben, Toleranz üben und ihnen vergeben.

 

Als die Römer Ägypten einnahmen, wurden alle Essener in Ägypten römische Bürger. Die Römer kamen nach Ägypten als Befreier, ohne Widerstand; sie befreiten die Ägypter von der qualvollen Unterdrückung, die sie unter der griechisch-ägyptischen Königin Kleopatra und der ptolemäischen Dynastie ausgesetzt waren. Die Römer haben nie versucht, die Ägypter zu ihren Göttern zu bekehren.

Einige Ägypter verehrten griechische und ägyptische Götter, Aton, unseren Alaha. Alle hatten die Freiheit, den Gott ihrer Wahl anzubeten. Nach Palästina kamen die Römer jedoch als Eroberer. Sie ließen zwar den israelitischen König im Amt, haben aber alles unternommen, um an seine Macht und Herrschaft zu untergraben, in der Absicht, Palästina schließlich vollständig unter ihre Kontrolle zu bringen. Somit sind wir zwei Mächten auf Gedeih und Verderb ausgeliefert: den Römern und König Herodes mit dem Sanhedrin. Wenn wir das römische Bürgerrecht, das uns angeboten wird, annehmen, bestärken wir die Verschwörung der Römer, was Herodes und den Sanhedrin in Wut versetzten würde. Wir dürfen nicht in diesen politischen Konflikt eintreten, wenigstens jetzt noch nicht.“

Rayis Rabbi Ephraim wandte sich an Joshua: „Malpana Rabbi Joshua, was sagst du dazu?

„Geliebte, ihr alle“, sagte Joshua, „lasst uns zu Alaha beten um Schutz und Erleuchtung, damit wir Gefahren voraussehen und ihnen aus dem Weg gehen können.

„Jene, die sich als unsere Feinde betrachten, brauchen unsere Liebe und unsere Gebete am nötigsten. Sie sind unsere Brüder und Schwestern, die sich in der Dunkelheit des Unwissens verirrt haben. Liebet sie.

Denn alle menschliche Wesen, seien sie Römer, Griechen, Israeliten, Essener, Beduinen oder Fremde aus dem Osten, sie alle sind unsere Brüder und Schwestern, sie alle sind Kinder unseres Vaters Alaha.“

Im Tempelhof war es laut geworden. Eine Menge Hilfe Suchender, zumeist Israeliten, warteten auf Joshua. Joshua entschuldigte sich und ging zu ihnen. Stephanos und Yiassounai versuchten, Ruhe herzustellen und die Leidenden und ihre Familien zu besänftigen.

Nachdem Joshua hinausgegangen war, beschlossen die Rayis Rabbis und die Ältesten, das ihnen angebotene römische Bürgerrecht nicht anzunehmen und mit erhöhter Wachsamkeit zu versuchen, Gewalttätigkeiten vorauszusehen um im Frieden zu vermeiden. Dann gingen auch sie hinaus, um die Heilungen zu sehen.

Stephanos führte zwei Blindgeborene Männer nach vorne. Joshua fragte sie, ob sie an Alaha glaubten und ob sie glaubten, Alaha könne sie heilen. Sie antworteten, sie glaubten wohl an Alaha, doch wären sie selbst zu große Sünder, um Alaha um Barmherzigkeit bitten zu können. „Aber du, unser Herr“, flehten sie ihn an, „du kannst Alaha für uns bitten.“

„Geliebte“, sagte Joshua sanft, „eure Sünden sind vergeben.“ Er hielt ihren Kopf mit einer Hand und streichelte ihre Augen mit zwei Fingern seiner rechten Hand und machte sie sehend. Der Bruder des einen, ein israelitischer Rabbi, war erzürnt. „Was denkst du, wer du bist, junger Mann?“, forderte er. „Sünden vergeben? Nur Alaha kann Sünden vergeben. Du magst Heiler sein, doch bist du nicht Alaha!

„Was ist leichter“, antwortete Joshua, „Sünden zu vergeben oder den Blinden das Augenlicht zu geben? Wer heilen will, muss die Ursache des Leidens beseitigen können.“

Die Rayis Rabbi Samuel und Ephraim sagten zu den über diese Wunder verblüfften Rayis Rabbis und Ältesten: „Joshua ist der Messias. Mehr kann man von dem Erwarteten wohl nicht erhoffen.“

Joshua heilte an diesem Morgen über hundert Menschen: Gelähmte, Epileptiker und zwei Aussätzige; allen gab er vollkommene Gesundheit zurück, mit seiner Liebe und seinem Segen. Die beiden Blindgeborenen waren außer sich vor Freude. Sie dankten Joshua und küssten seine Hände. Sie konnten jetzt das Licht sehen, die Farben des Tempels und der Synagoge, die Bäume, die Blumen, die Menschen um sie herum, und das strahlende Gesicht und das liebevolle Lächeln Joshuas. Sie dankten Alaha für seine große Liebe und Barmherzigkeit.

An diesem Nachmittag hatte Yiacoub, der Sohn Yioussoufs, auf Joshuas Geheiß die Heiler-Jünger zum Unterricht versammelt. Auch die Rayis Rabbis und die Ältesten waren eingeladen. Über hundert Menschen kamen in der Synagoge zusammen.

Die Rayis Rabbis und die Ältesten saßen links und rechts der Kanzel auf Hockern und die Heiler-Jünger saßen mit gekreuzten Beinen auf Kissen. Joshua trat mit Ephraim und Samuel ein. Joshua stand auf der Kanzel in seinem schneeweißen Gewand und sah wie ein überirdisches Wesen aus. Er streckte seine Hände gegen die Decke, füllte die Halle mit seiner El Shaddai Aura und sagte auf Griechisch und Aramäisch: (Handschrift von Daskalos)

Unser Vater, der du bist in den Himmeln und überall. Dein Name ist heilig. Dein Reich ist hier und überall. Dein Wille geschieht auf Erden so wie in den Himmel. (Matthäus 6:9-10)

„Geliebte, ihr alle, Geist-Seelen-Egos, Söhne des Lichts, Kinder des Vaters Alaha.

Alaha ist die immer währende, unendliche Wirklichkeit, die absolute unendliche Seinsheit, die absolute unendliche Selbstheit, in seiner Selbst-Genügsamkeit, in seiner Selbst-Vielfalt, in seinem allgegenwärtigen Eins-Sein.

In der absoluten unendlichen Seinsheit sind unzählige unsterbliche Geist-Wesen, Alahas Vielfalt, selbst-bewusst in Alahas Eins-Sein.

Alaha und alle Geist-Wesen in Alaha sind selbst-genügsam und haben die Allweisheit und die Allmacht Alahas.

Eine weitere Natur Alahas (und der Geist-Wesen in seinem Eins-Sein) ist die Schaffensfreude Alahas ( und die Schaffensfreude der Geist-Wesen), die Allweisheit  Alahas (und die Allweisheit der Geist-Wesen) zu manifestieren durch die Erschaffung der Universen und all dessen, was in ihnen ist, und sie zu erhalten und alles in ihnen zu erhalten durch die Allweisheit Alahas (und der Geist Wesen) und die Allmacht Alahas (und der Geist-Wesen).

Dadurch ist Bewegung entstanden und Geist-Übersubstanz erschienen.

Es gab keine Zeit, in der die Universen, die Welten der Existenz und die Himmel nicht existierten.

Die Schaffensfreude Alahas und die Schaffensfreude der unsterblichen Geist-Wesen in Alaha teilten die Geist-Wesen, für die Manifestation, ihrer Natur entsprechend in Erzengelränge ein.

Dadurch wirkt  Alaha als Alaha Elohim, ebenfalls in Seinem göttlichen Eins-Sein.

Alaha Elohim, mit Seinen heiligen Erzengeln, schöpfen aus Alahas Allweisheit (und der Allweisheit der Erzengel) und aus Alahas Allmacht (und der Allmacht der Erzengel) und erschaffen (haben immer erschaffen und werden immer erschaffen)die Welten der Existenz und alles, was in ihnen ist. Sie erhalten diese Welten und alles, was in ihnen lebt und existiert, ununterbrochen und immerdar.

Das ist der göttliche Plan. Die Hauptmerkmale aller Welten der Existenz – der höher noetischen, der noetischen, der physischen, der ätherischen und der grobstofflichen Welten – sind Form, Leben-Licht, Geist-Übersubstanz, Lebenskraft sowie Bewegung und Veränderung des Erscheinungsbildes. Alles in diesen Welten ist dual – im Einen.

Vielleicht ist das beste Symbol, um dies zu erklären, die Linie. In einer geraden Linie, wie lang diese auch sein mag, gibt es eine wahrnehmbare Mitte und entgegengesetzten Seiten.

Von dieser Mitte aus und um diese Mitte herum können tausende von entgegengesetzten Seiten dargestellt werden.

Diese Mitte in jedem lebenden Wesen und allem, was lebt, ist Alaha. Die entgegensetzten Seiten, rund um die Mitte, sind das Tätigkeitsfeld Alahas und der heiligen Erzengel, die Herren der Elemente.

In der grobstofflichen Welt sind die Aspekte der Dualität männlich und weiblich.  Die zwei entgegengesetzten Seiten und die Mitte dieser Aspekte sind Alaha.

Alaha ist weder männlich, noch weiblich. Er ist beides in Alahas Eins-Sein.

In jedem lebenden Wesen und in allem, was in der grobstofflichen Welt lebt, ist Alaha die Mitte.

Eine Seite ist das Göttliche. In ihr sind das Leben-Licht, die Form in ihrem Kreis der Möglichkeit, die Allweisheit des Heiligen Geistes und der Erzengel, welche die Lebensform betrifft, und Geist-Übersubstanz.

Die andere Seite ist die weltliche Seite, die Seite der Bewegung und der ständigen Veränderung der Erscheinungsformen in den verschiedenen Stadien des Kreises der Möglichkeit.

Sie ist das Phänomen des Lebens. Jedes Phänomen des Lebens beginnt mit seinem Samen oder Spermatozoon, wächst im Kreis der Möglichkeit, vollendet diesen unveränderlichen Kreis bis zum Tod des grobstofflichen Körpers.“

Joshua kehrte zum Symbol der Linie zurück und sagte:  „Die wahrnehmbare Mitte eines jeden Menschen ist immer Alaha, das Geist-Leben-Licht, das Prinzip des Lebens. Die göttliche Seite ist das Geist-Seelen-Ego-Wesen, unsterblich und unveränderlich.

Im Seelen-Ego sind die menschliche Form und der ganze Kreis der Möglichkeiten eines Menschen in allen Welten der Existenz im ewigen Jetzt.

Die weltliche Seite ist der Teil des Seelen-Ego, der sich in Zeit und Ort ausgedehnt hat. Die heiligen Erzengel kleiden jenen Teil des Seelen-Ego mit Körpern, wozu sie die menschliche Form und Geist-Übersubstanz benutzen.

In den Welten der Existenz erschafft das Seelen-Ego-Selbst ein Bild seines Ego-Selbst auf dem dreifachen Spiegel: dem grobstofflichen Körper, dem psychischen Körper (Körper der Gefühle und Emotionen) und dem noetischen Körper (Körper der Gedanken).                                 Dieses Bild ist die derzeitige Persönlichkeit eines Menschen.

Der dreifache Spiegel stellt unsere drei Körper dar, welche die heiligen Erzengel, die Herren der Elemente, erschaffen haben und unaufhörlich erhalten.

Dieses gespiegelte Bild nimmt ein eigenes Leben an und verändert sich ständig in Erscheinung und Verhalten, im Einklang mit den Gesetzen der Welten der Existenz. Das ist die derzeitige Persönlichkeit.

Rayis Rabbi Samuel erhob sich und bat um Erlaubnis zu sprechen. „Liebster Malpana Rabbi Joshua“, sagte er. „Willst du uns sagen, dass wir alle zwei Selbst haben?“

„Sicher nicht“, antwortete Joshua. „Unser wahres Selbst ist unser Seelen-Ego-Selbst, immer gleichbleibend.

Es ist nicht der sich ständig verändernde Egoismus unserer derzeitigen Persönlichkeit. Es ist nicht unser Bild auf dem dreifachen Spiegel.

Das Herz der menschlichen Persönlichkeit, der Puls des Lebens ist unser Geist-Seelen-Ego-Selbst, welches einen Teil seines unsterblichen Selbst in die Persönlichkeit ausgedehnt und dadurch die Persönlichkeit in ihren Körpern mit Leben erfüllt hat.

Das wahre Seelen-Ego-Selbst eines Menschen ist wie die Sonne, die von dunklen Wolken des Unwissens verdeckt ist.

Diese Wolken sind durch Begierden, Emotionen, derzeitige Gedanken und Neigungen der Persönlichkeit erschaffen worden. Doch, wie lange noch? Spielt es eine Rolle?

Die Persönlichkeit – mit ihrem sich ständig verändernden Egoismus, ihren Körpern, Begierden, Emotionen und Gedanken – ist nur ein Bild unseres Selbst, der Sonne über den Wolken des Unwissens.

Der Egoismus unserer Persönlichkeit ist nicht unser Ego-Selbst, doch das Herz des Lebens der Persönlichkeit ist das Ego-Selbst.

Sogar die Persönlichkeit ist nicht vergänglich. Ihre Aufgabe ist es, ihr Selbst umzuwandeln, und zwar dadurch, dass es sich reinigt von schmutzigen Emotionen und Gedanken und sich befreit von der Dunkelheit des Unwissens und der Illusion.

Dann wird die scheinbarvergängliche Persönlichkeit in das unvergängliche Seelen-Ego-Selbst umgewandelt, und der ständig sich verändernde menschliche Egoismus wird dem unsterblichen Geist-Seelen-Ego-Selbst Platz machen.

Soll sich das Selbst der weltlichen Seite in die Mitte der Linie zurückziehen, um sich dann erneut in die grobstoffliche Welt auszudehnen? Die Mitte hat viele andere entgegengesetzte Seiten, in der sie ihr Selbst ausdehnen kann. In die psychische, in die noetische, in die höheren noetischen Welten (oder darüber hinaus?)

Die Anstrengungen, das Herz der Persönlichkeit zu reinigen, müssen durch das Seelen-Ego-Selbst, das sich in der Persönlichkeit ausdrückt, gemacht werden.

Die Menschen, ob Mann oder Frau, müssen sich entschließen, kühn in ihr Unterbewusstsein einzutauchen, indem sie Geist-Substanz zu vernünftigen Denken gebrauchen, und die in ihrer Persönlichkeit lebenden Elementale untersuchen – sowohl die in-ihrer-Natur-menschlichen-Engel als auch die in-ihrer-Natur-menschlichen-Dämonen – die sie unterbewusst erschaffen haben.

Die Menschen müssen selbst-bewusst die Macht der in-ihrer-Natur-menschlichen Dämonen vernichten (sie inaktiv werden lassen) und gleichzeitig die in-ihrer-Natur-menschlichen-Engel stärken, indem sie überbewusst gute und kraftvolle Elementale erschaffen.

Ihr sprecht von Menschen, die <von Dämonen besessen seien>, ich aber sage euch, dass kein Dämon oder <Gefallener> in einen menschlichen Körper eintreten und von ihm Besitz ergreifen kann.

Die Erzengel, die jeden menschlichen Körper erhalten, verbieten das. Die von der Persönlichkeit erschaffenen menschlichen-Dämonen können jedoch mit sieben weiteren menschlichen-Dämonen dorthin zurückkehren, woher sie kamen, und von der betroffenen Persönlichkeit Besitz ergreifen, zum großen Leidwesen der heiligen Erzengel, die den Körper erschaffen und erhalten, in dem die dumme, um nicht zu sagen schlechte, Person lebt.

Wenn der unreine Geist von einem Menschen ausgefahren ist, durchwandert er dürre Gegenden und sucht eine Ruhestätte; und wenn er keine findet, so sagt er: „Ich will in mein Haus  zurückkehren, das ich verlassen habe.“ Wenn es dann hinkommt, findet er es sauber gefegt und schön aufgeräumt. Hierauf geht er hin und nimmt noch sieben andere Geister, die bösartiger sind als er selbst; und sie ziehen ein und nehmen dort Wohnung; und das Ende wird bei einem solchen Menschen schlimmer als der Anfang war. (Lukas 11:24-26)

Geliebte, hütet euch vor Begierden, den Emotionen und den Gedanken, die ihr eurer Persönlichkeit zu hegen erlaubt.

Hütet euch vor allem, was ihr unterbewusst erschafft. Denn diese Elementale, Emotional-Formen und Gedanken-Formen, sind lebende, in-ihrer-Natur-menschliche Engel und in-ihrer-Natur-menschliche-Dämonen.

Morgen, zur gleichen Stunde, werde ich zu euch über die menschlichen Körper und deren ätherische Doppel sprechen, insbesondere über das ätherische Doppel des grobstofflichen Körpers, den Körper der Geist-Lebenskraft und Energie, damit ihr lernt, ihn zum Heilen zu gebrauchen. Alaha sei allezeit mit euch.“