28. Kapitel: Herr des Lebens

Joshua, der Gott-Mensch, der Mshiha, gibt seinen Freunden ein Gefühl der Sicherheit. Er geht nach Yerushalayim, wo er lehrt. Er heilt einen Edelmann und erweckt Eliezar von den Toten.

Auch Lehrer sollt ihr euch nicht nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer, nämlich Christus. Der Größte unter euch soll euer Diener sein. Wer sich aber selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. (Matthäus 23:10-12)

Sehr früh am nächsten Morgen, lange vor dem Sonnenaufgang, betrat Joshua den Tempel. Das einzige Licht kam von einigen wenigen flackernden Kerzen, doch konnte Joshua Is-shaak sehen, wie er auf seinen Knien den Boden schruppte. Joshua streichelte den Kopf des Jungen und ging weiter ins Allerheiligste. Manasseh und Simon halfen Yiacoub, die Pferde einzuspannen und den Wagen für die Reise zu beladen.

Auch Samuel stand sehr früh auf und als er den Tempel aufsuchte, berichtete ihm Is-shaak, wo Joshua war. Samuel trat in das Allerheiligste, wo Joshua am Altar zu seinem Vater Alaha betete. Der weißbärtige Rayis Rabbi kniete vor dem Gott-Menschen und fragte mit vor Sorgen und Aufregung zitternder Stimme: „Geliebter Mshiha, Beni Alaha, ich habe gesehen, wie du deinen Körper dematerialisiert und rematerialisiert hast. Musst du deinen Körper, diesen heiligen Körper, den grausamen Händen deiner Peiniger überlassen, um blutend, verletzt und zerstört werden? Kann das nicht verhindert werden?“

165) Joshua half dem alten Mann auf die Füße und antwortete: Ehrwürdiger Rayis Rabbi, du hast vergessen, dass dieser grobstoffliche Körper nicht mein Selbst ist? Früher oder später muss ein grobstofflicher Körper sterben. Dadurch, dass sie meinen Körper töten, können sie mir keinen Schaden zufügen.

Es ist durch das <Sterben>, dass ich die Wahrheit meiner Lehre unter Beweis stelle.

Drei Tage nachdem sie meinen Körper getötet haben, werde ich ihn geheilt von allem, was sie ihm angetan haben, auferstehen lassen. Mein lieber Samuel, ich bitte dich jetzt darum, deine Ruhe zu bewahren.“

Als Joshua und der Rayis Rabbi bei Sonnenaufgang den Morgengottesdienst zum Lobe Alahas hielten, kamen Petros, Andreas, Philippos, Nathanael, Matai, Yiohannan und Yiacoub, der Sohn Yioussoufs, zum Tempel. Petros sprach für alle und sagte: „Geliebter Malpana Rabbi, würdest du uns nicht erlauben, jetzt mit dir nach Yerushalayim zu gehen?“ Joshua sagte zu ihnen: „ Es ist für mich eine große Freude, euch an meiner Seite zu haben.“

Der Rayis Rabbi stellte einen zweiten großen Wagen zur Verfügung und nach dem Frühstück waren die beiden Wagen unterwegs nach Yerushalayim. Die beiden Yiacoubs führten die Pferde. Am nächsten Tag um die Mittagszeit erreichten sie den Hof des Essener Bistums in Yerushalayim.

Yiassounai hatte Joshuas Räume ordentlich und sauber gehalten und Krüge mit süß duftenden Blumen. Jasmin und Narzissen, aufgestellt. Große Töpfe mit Basilikum standen an den Fenstern. Die Tonkrüge waren mit frischem Wasser gefüllt und auf dem Tisch standen Schalen voll mit Datteln, frisch getrockneten Feigen und süßen Mandeln.

Nach dem Mittagessen suchte Joshua seine Räume auf und Yiassounai folgte ihm, um zu sehen, ob er irgendetwas benötige. Joshua fuhr mit seinen Händen durch das Haar und lächelte. Der Junge küsste mit viel liebe die rechte Hand des Gott-Menschen und verließ ihn mit übervollem Herzen.

Simon besuchte Yiassounai in seinen Räumen und brachte Stephanos mit, den Yiohannan ihm bereits vorgestellt hatte. Yiassounai war hoch erfreut, Simon kennenzulernen. Die drei Jungen wurden schnell enge Freunde.

„Yiassounai“, sagte Simon. Seine Stimme klang traurig, voller Vorahnung. „Joshua sagte uns in K’far Nahum, dass der Sanhedrin ihn bald verhaften, beschimpfen, quälen und töten werde.“ „Ihn töten?“, unterbrach ihn Yiassounai. „Wer kann den Mshiha töten, Simon? Joshua ist der Beni Alaha. Er hat seinen Körper unzählige Male dematerialisiert und wieder materialisiert.

In Nazareth hatte der Sanhedrin ihn einmal gefasst und zu einer Felsenklippe geschleppt, um ihn darüber hinaus zu stoßen und zu steinigen. Doch Joshua dematerialisierte seinen Körper und materialisierte ihn wieder im Essener Tempel vor Rabbi Davout, eine Meile vom Tatort entfernt. So sage mir nun, wie können sie ihn verhaften? Ich weiß, was Joshua euch in K’far Nahum gesagt hatte. Ich war als Geist-Seele dort mit euch.“

„Ja natürlich“, sagte Simon, „als Joshua uns einen Vortrag über die Unsterblichkeit des Geist-Seelen-Ego-Selbst hielt, hatte er uns gesagt, dass in Yerushalayim ein junger Novize lebe, der seinen grobstofflichen Körper willentlich verlassen könne. Es muss dich gemeint haben.“

Yiassounai zögerte, mehr darüber zu sagen, doch Simon fuhr fort: „Ich bin sicher, Yiassounai kann seinen grobstofflichen Körper willentlich verlassen und selbst-bewusst entfernte Orte besuchen. Oft besucht er seinen Vielgeliebten, aber ich glaube nicht, dass er es wagt, einen anderen Körper zu materialisieren und in diesen einzugehen. Vielleicht kann er das gar nicht. Also Yiassounai“, fuhr Simon fort, „du hast gehört, was Joshua über den Sanhedrin gesagt hat, dass sie ihn töten werden.“

„Aber, Simon“, sagte Yiassounai schnell, „ich frage dich wiederum, wie können sie ihn töten? Er ist der Mshiha, der Sohn Alahas. Wer hat die Macht, den Sohn Alahas zu töten? Natürlich können sie seinen grobstofflichen Körper ermorden. Doch er selbst hat uns gesagt, dass er ihn nach drei Tagen, geheilt von allen Verletzungen, auferstehen lassen werde. Ich will nicht sagen, dass das, was Joshua uns gesagt hat, meinem Herzen keine Schmerzen bereitet. Ich glaube jedoch, dass ich weniger traurig bin als du, mein lieber Simon. Ich versuche, nicht weiter darüber nachzudenken, denn es gibt vieles, das ich nicht verstehen kann.“

Rayis Rabbi Ephraim war noch in Bethania, als Joshua ankam. Nach dem Mittagessen suchte er Joshua in seinen Räumen auf, wo er ihn im Gespräch mit Yiohannan und Yiacoub antraf. „Geliebter Joshua“, sagte Ephraim mit Tränen in den Augen, „ich bringe dir schreckliche Nachrichten.“ „Ehrwürdiger Rayis Rabbi“, sagte Joshua, „ich weiß.“

(S. 166) Ephraim hielt den Kopf mit beiden Händen und sagte mit tränenerstickter Stimme: „Geliebter Mshiha, Eliezar, Marthas und Marias Bruder, Eliezar, den du lieb hast, ist tot. Jetzt sind es schon drei Tage, dass er im Grabe liegt, und seine armen Schwestern sind untröstlich.“ „Geliebter Malpana“, sagte Yiacoub, „sollen wir den Nachmittagsvortrag auf einen andern Tag verschieben“.

„Nein“, sagte Joshua, „versammle heute Nachmittag die Heiler-Jünger in der Synagoge, doch sage Petros, Andreas, Mattai, Philippos und Nathanael, dass wir morgen nach Bethania gehen, um unseren geliebten Eliezar aus seinem Schlaf zu wecken.“ „Um Eliezar zu wecken?“, fragte Ephraim, der vor einem Rätsel stand. „Eliezars Körper liegt ja schon drei Tage im Grab.“

„Ehrwürdiger Rayis Rabbi“, sagte Joshua sanft, „morgen früh, nach dem Morgengottesdienst, wirst du mit uns nach Bethania gehen, und wirst als Zeuge die Macht über den Tod, die Alaha dem Menschensohn gegeben hat, erleben.“

Thomas, der wie üblich verspätet war, kam herein und hörte, wie Joshua sagte, dass sie nach Bethania gehen würden. Er sagte mit leiser Stimme zu Petros: „Der Sanhedrin sucht eine Gelegenheit, Joshua zu verhaften und zu töten. Das ist ihre Gelegenheit. Wir gehen alle nach Bethania, um mit Eliezar zu sterben.“ Joshua schaute ihn mitleidig an und sagte: „Sie werden MICH (nur meinen grobstofflichen Körper) töten, Thomas, NICHT DICH, und erst wenn Alaha es erlaubt. Wenn du Angst hast, mein Lieber, dann komme nicht mit uns.“

Im Vortrag am Nachmittag wiederholte der Gott-Mensch die Lektion, dass der grobstoffliche Körper eines Menschen nicht sein Geist-Seelen-Ego-Selbst ist.

„Geliebte. Die heiligen Erzengel erschaffen und erhalten den grobstofflichen Körper, damit sich die menschliche Persönlichkeit darin aufhalten kann, doch nur während einer beschränkten Zeit.

Der Körper und die kleine Persönlichkeit sind stetiger Veränderung unterworfen.

Doch im Ego-Selbst der Persönlichkeit ist ein Teil des Geist-Seelen-Ego-Selbst, das unsterblich ist. Seine Natur ist immerwährendes Leben.

Die Menschen leben unterbewusst in ihren vergänglichen Körpern, in einem Traum, getäuscht und irregeführt durch Illusionen und die wechselnden Begierden nach dem, was sie ihr <Eigentum> nennen.

Eines Tages wird das kleine Selbst der Persönlichkeit aufwachen und sein wahres, unsterbliches Selbst kennenlernen wollen.

Wenn der Mensch Alahas Geschenk, Geist-Mind, richtig gebraucht, wird er die Wahrheit in sich finden.

Wenn er die göttlichen Fähigkeiten, zu beobachten, zu verstehen, zu meditieren und zu visualisieren gebraucht, wird das kleine Ego-Selbst ein selbst-bewusstes Ego werden und in sich seine göttliche Natur entfalten.“

Nach dem Vortrag fuhren zwei Wagen in den Hof der Synagoge, wo drei Invalide auf Joshua warteten. In einem Wagen waren ein Zenturio und ein junger Essener und im anderen waren fünf Schwertträger.

Joshua heilte die drei Invaliden und ging dann auf den Zenturio zu, der aus seinem Wagen gestiegen war. Noch ehe er etwas sagen konnte, sprach Joshua ihn an. „Pax, semper in animo sapientis est placidissima pax. Scientiam“ (Friede sei mit dir. Wisse, dass in der Seele eines Weisen immer der sanfteste Friede herrscht). Joshua nahm den Platz des jungen Esseners im Wagen ein und sagte: „Cognosco (Ich weiss). Lasst uns gehen.“

Octaviano, ein römischer Edelmann mittleren Alters, ein Vetter zweiten Grades der Frau des römischen Prokurators und Statthalters, war von Rom gekommen und weilte als Gast von Sallustius für längere Zeit in Palästina. Sallustius, der ein wohlhabender Mann war, lebte in einem großen Haus mit ausgedehnten Gärten in einem Vorort Yerushalayims, nicht weit vom Essener Bistum entfernt.

An jenem Morgen war Octaviano, der die Blumen liebte, in den Garten gegangen, wo er von einer giftigen Schlange in den Knöchel des rechten Fußes gebissen wurde. Er war unter Schmerzen und Angst um Hilfe schreiend ins Haus gerannt. Einige Diener waren in den Garten geeilt und hatten die Schlange getötet. Octavianos rechtes Bein war bis zum Knie schmerzlich angeschwollen. Er fieberte und wurde von krampfartigen Anfällen geschüttelt. Die Ärzte entzogen dem Knöchel Blut, doch es brachte keine Besserung. Der Mann litt qualvolle Schmerzen, bis er am Nachmittag in ein Koma fiel. Die Ärzte konnten keine Hoffnung geben.

Als der Gott-Mensch das Krankenzimmer betrat, fand er den bewusstlosen Octaviano, umgeben von Sallustius, der Frau des römischen Statthalters mit ihrer Dienerin, ihrer Nichte Veronica, dem Neffen Flaviano, und zwei Ärzten. Joshua erhob seine rechte Hand und sagte: (S. 167) „Pax vobiscum“ (Friede sei mit euch). Er ging geradewegs zum Krankenlager, legte seine rechte Hand auf Octavianos Brust, dann auf seine Stirne, und dann führte er sie mehrmals über seinen Körper, vom Kopf bis zum Fuß. Er nahm die rechte Hand des Edelmannes in seine Hand und sagte: Carus Octaviano, exsuscito“ (Lieber Octaviano, erwache).

Lächelnd öffnete Octaviano seine Augen und Joshua half ihm aufzustehen. Er war vollständig geheilt. Veronica sah den Gott-Menschen mit Liebe und Verehrung an und Joshua sagte zu ihr: „Octaviano nunc bene est“ (Octaviano ist jetzt gesund). Veronica nahm seine rechte Hand und küsste sie, derweil er seine linke Hand auf ihren Kopf legte und sie segnete. Auch ihr Bruder, Flaviano, küsste Joshuas rechte Hand und Joshua segnete ihn ebenfalls und sagte: „Flaviano, pax vobiscum“.

Die Frau des römischen Statthalters war verblüfft. „Essener Rabbi“, sagte sie, „warum kennst du unsere Namen?“ Joshua antwortete: „Cara Claudia, ego cognosco nomen tuam etiam“ (Liebe Claudia, ich kenne auch deinen Namen) Dann hielt Joshua ihnen einen Vortrag auf Lateinisch über „Veritas et vita in saecula saeculorum“ (die Wahrheit und das immer währende Leben). Er segnete sie, verabschiedete sich und seine große Liebe blieb mit ihnen.

Als sie zum Essener Bistum zurück fuhren, wollte der Zenturio wissen, wo er lateinisch gelernt habe.

Joshua sagte ihm nicht, dass es auf Erden für ihn nichts Unbekanntes gebe.

Er antwortete lediglich, dass er Lateinisch an der Essener Schule in Heliopolis in Ägypten gelernt habe, wo er bis zu seinem zwölften Lebensjahr zur Schule gegangen sei.

Am nächsten Morgen früh, nach dem Morgengottesdienst, verließen die zwei Wagen, die dem Bistum von K’far Nahum gehörten, das Bistum Yerushalayim Richtung Bethania. In einem Wagen saßen die Apostel. Den Wagen mit Rayis Rabbi Ephraim, Joshua und Yiassounai führte Stefanos.

Es lag aber ein Mann krank darnieder, Eliezar von Bethanien, aus dem Dorfe, in welchem Maria und ihre Schwester Martha wohnten, es war die Maria, die den Mshiha mit Myrrhenbalsam gesalbt und seine Füße mit ihren Haaren getrocknet hat, deren Bruder Eliezar lag krank darnieder. Da sandten die Schwestern zu Joshua und ließen ihm sagen: „Mshiha, siehe, der, den du lieb hast, der ist krank!“ Als das Joshua vernahm, sagte er: „Diese Krankheit führt nicht zum Tode, sondern dient zur Verherrlichung Gottes, weil der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werden soll.“

Joshua hatte aber die Martha und ihre Schwester und auch den Eliezar lieb. Als er nun von dessen Krankheit gehört hatte, blieb er zunächst noch zwei Tage an dem Orte, wo er sich befand; dann erst sagte er zu seinen Jüngern: „Wir wollen wieder nach Judäa ziehen!“ Die Jünger erwiderten ihm: „Rabbi, soeben erst haben die Juden dich steinigen wollen, und nun willst du wieder dorthin gehen?“ Joshua antwortete: „Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn man am Tage wandert, stößt man nicht an, weil man das Licht dieser Welt sieht; wenn man aber bei Nacht wandert, stößt man an, weil man kein Licht in sich hat, um zu sehen.“

So sagte er und fuhr dann fort: „Unser Freund Eliezar, ist eingeschlafen; aber ich gehe hin, um ihn aus dem Schlaf zu wecken.“ Da erwiderten ihm die Jünger: „Mshiha, wenn er eingeschlafen ist, wird er wieder gesund werden.“ Joshua hatte den Tod des Eliezar gemeint, sie dagegen waren der Meinung, er rede vom gewöhnlichen Schlaf.

Da sagte Joshua ihnen denn mit klaren Worten: „Eliezar ist gestorben, und ich freue mich euretwegen, dass ich nicht dort gewesen bin, damit ihr glauben lernt. Doch nun lasst uns zu ihm gehen!“ Da sagte Thomas, der auch den Namen Didymus führt, zu seinen Mitjüngern: „Lasst uns hingehen, um mit ihm zu sterben!“

Als nun Joshua hinkam, fand er ihn schon seit vier Tagen im Grabe liegen. Bethanien lag aber in der Nähe von Yerushalayim, etwa zwei Meilen von dort entfernt: darum hatten sich viele von den Juden bei Martha und Maria eingefunden, um sie über den Tod ihres Bruders zu trösten. Als nun Martha von der Ankunft Joshuas hörte, ging sie ihm entgegen; Maria aber blieb im Hause sitzen.

Da sagte Martha zu Joshua: Mshiha, wärest du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben! Doch auch so weiß ich, dass Alaha dir alles gewähren wird, um was du Alaha bittest.“ Joshua erwiderte ihr: „Dein Bruder wird auferstehen!“ Martha antwortete ihm: „Ich weiß, dass er bei der Auferstehung am jüngsten Tage auferstehen wird.“

Joshua entgegnete ihr: „Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch stirbt, und wer da lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben! Glaubst du das?“ Sie antwortete ihm: „Ja, Mshiha, ich habe den Glauben gewonnen, dass du der Mshiha bist, der Beni Alaha, der in die Welt kommen soll.“

Nach diesen Worten ging sie weg und rief ihre Schwester Maria, indem sie ihr zuflüsterte: „Der Malpana ist da und lässt dich rufen!“ Sobald jene das gehört hatte, stand sie schnell auf und machte sich auf den Weg zu ihm; Joshua war aber noch nicht in das Dorf gekommen, sondern befand sich noch an der Stelle, wohin Martha ihm entgegengekommen war.

(S. 168) Als nun die Juden, die bei Maria im Hause waren und sie zu trösten suchten, sie schnell aufstehen und hinausgehen sahen, folgten sie ihr nach in der Meinung, sie wolle zum Grabe gehen, um dort zu weinen. Als nun Maria an die Stelle kam, wo Joshua sich befand, und ihn erblickt hatte, warf sie sich ihm zu Füssen und sagte zu ihm: „Mshiha, wärest du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben!“ Als nun Joshua sah, wie sie weinte und wie auch die Juden weinten, die mit ihr gekommen waren, fühlte er sich im Geiste heftig bewegt. Darauf fragte er: „Wo habt ihr ihn beigesetzt?“ Sie antworteten ihm: „Komm und sieh es!“ Und Joshua, der Menschensohn weinte. Da sagten die Juden: „Seht, wie lieb hat er ihn gehabt!“ Einige von ihnen aber sagten: „Hätte dieser, der den Blinden die Augen aufgetan hat, nicht auch machen können, dass dieser hier nicht zu sterben brauchte? (Johannes 11:1-37)

Joshua, seine Apostel, der Rayis Rabbi und die Novizen folgten Martha, Maria und ihren israelitischen Freunden zum Grab, in dem Eliezars Körper lag.

Yiohannan, Simon der Kanaaniter, Stefanos und Yiassounai standen hinter dem Gott-Menschen. Ephraim stand zu seiner Rechten und Maria und Martha weinten neben dem Grab. Joshua streckte seine Arme in die Höhe und sagte auf Aramäisch: (Handschrift von Daskalos)

„Unser himmlischer Vater. Dein Wille geschieht im Himmel und auf Erden. Alle Dinge sind mir von meinem Vater übergeben worden.“

Da geriet Joshua in seinem Innern aufs Neue in heftige Erregung und trat an das Grab; es war dies aber eine Höhle, vor deren Eingang ein Stein lag. Joshua sagte: „Hebt den Stein weg!“ Martha, die Schwester des Verstorbenen, erwiderte ihm: „Mshiha, er ist schon in Verwesung; es ja schon der vierte Tag seit seinem Tode.“ Joshua entgegnete ihr: „Habe ich dir nicht gesagt, dass, wenn du glaubst, du die Herrlichkeit Alahas sehen wirst?“

Da hoben sie den Stein weg; Joshua aber richtet die Augen empor und betete: „Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast! Ich wusste wohl, dass du mich allezeit erhörst; aber um des Volkes willen, das hier rings steht, habe ich’s gesagt, damit sie zum Glauben kommen, dass du mich gesandt hast.“

Nach diesen Worten rief er mit lauter Stimme: „Eliezar, komm heraus!“ Da kam der Gestorbene heraus, an den Beinen und Armen mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweiß Tuch umbunden. Joshua sagte zu ihnen: „Macht ihn los und lasst ihn gehen!“ (Johannes 11:38-44)

Mit angsterfüllten Augen entfernten Maria und Martha die Grabtücher vom Gesicht und vom Körper ihres Bruders. Joshua umarmte Eliezar, küsste ihn und forderte seine Schwestern auf, ihn ebenfalls zu küssen. Er bat die israelitischen Freunde nach Hause zu gehen, damit Maria und Martha mit ihrem Bruder allein sein konnten.

Joshua und seine Begleiter gingen mit der Familie zu ihrem Haus. Joshua bat Petros, Andreas und die Yiacoubs, im Ort Essen einzukaufen und es ihnen zu bringen.

Am Abend fuhren Joshua und seine Begleiter nach Yerushalayim zurück. Alle waren in Hochstimmung. Am nächsten Morgen kehrte Joshua mit Ephraim, Yiohannan, Stephanos und Yiassounai nach Bethania zurück und verbrachte den ganzen Tag mit Eliezar und seiner Familie.

Viele Israeliten in Bethania glaubten an Joshua. Sie kamen zum Haus mit kleinen Geschenken für ihn. Einige von ihnen und einige Essener brachten kranke Verwandte zu ihm. Joshua heilte alle, segnete sie und schenkte ihnen seine große Liebe.

In Bethania lebten die Essener und die Israeliten friedlich zusammen, obwohl der Sanhedrin in Yerushalayim dort Spione hatte, die über die außergewöhnlichen Begebenheiten am Grabe Eliezars berichteten.