{"id":4932,"date":"2016-04-24T07:44:13","date_gmt":"2016-04-24T05:44:13","guid":{"rendered":"https:\/\/tyvijiqi.cyon.site\/?page_id=4932"},"modified":"2017-07-10T11:21:59","modified_gmt":"2017-07-10T09:21:59","slug":"menschlichkeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/index.php\/friedensarbeit\/menschlichkeit\/","title":{"rendered":"Menschlichkeit"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #008000;\"><a style=\"color: #008000;\" href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/?s=Freiheit\">Freiheit<\/a>\u00a0\u00a0 <span style=\"color: #008000;\">\u00a0 <\/span><a style=\"color: #008000;\" href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/?s=Gewissen\">Gewissen<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Aus\u00a0 &#8222;DIE WELT&#8220;\u00a0 4\u200e. \u200eSep\u200e. \u200e2015 von Lukas B\u00e4rfuss<\/span><\/p>\n<h3><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Wer Fl\u00fcchtlinge zur\u00fcckweist, geht mit ihnen unter.<\/span><\/strong><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Menschlichkeit und gesunder Menschenverstand: Die Freiheit, nach seinem eigenen Gl\u00fcck zu streben, ist einer der zentralen Werte unserer Gesellschaft. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine neue Weltinnenpolitik.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">In diesen Tagen solidarisieren sich viele Menschen in Europa mit den syrischen Fl\u00fcchtlingen. Sie verstehen, dass jede gegl\u00fcckte Flucht eine Rettung bedeutet. Wer sich aufmacht, um Not und Unterdr\u00fcckung zu entkommen, ist ein Held wie jeder, der ihm die Gastfreundschaft gew\u00e4hrt und hilft, ein besseres Leben aufzubauen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Dies ist eine Erfahrung jenseits der pers\u00f6nlichen Meinung oder der politischen Weltanschauung. Es ist ein Wert, von dem unsere Kultur seit ihren Anf\u00e4ngen erz\u00e4hlt, in vielf\u00e4ltiger Weise.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Im verbindlichen Text f\u00fcr fast vier Milliarden Christen, Muslime und Juden, ist die Flucht sogar mit dem g\u00f6ttlichen Heilsplan verbunden. In der Genesis segnet Gott seinen Diener Abram und fordert ihn gleichzeitig auf, die Heimat zu verlassen. Sp\u00e4ter muss das Volk Israels aus \u00c4gypten ziehen, um das Gelobte Land zu erreichen. Und f\u00fcr die Christen wurde ein Messias geboren, der sein Leben als Fl\u00fcchtling vor den H\u00e4schern des Herodes begann.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Wo w\u00e4re die Schweiz ohne die deutschen Fl\u00fcchtlinge?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Man muss nicht religi\u00f6s sein, um diese Lektion zu begreifen. Auch in der weltlichen Literatur ist die Rettung durch Flucht ein wiederkehrendes Motiv. Der deutsche Roman erlebt einen fr\u00fchen H\u00f6hepunkt mit einem Fl\u00fcchtling. Grimmelshausens Simplicissimus flieht vor der mordenden Soldateska des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Kriegs. Und die Filme, die Hollywood rund um die Flucht produziert hat, sind ungez\u00e4hlt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><a href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/map-of-the-world-1005413__180.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-4917 alignleft\" src=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/map-of-the-world-1005413__180.jpg\" alt=\"map-of-the-world-1005413__180\" width=\"242\" height=\"157\" \/><\/a>Migration ist ein komplexes Ph\u00e4nomen und noch ungen\u00fcgend erforscht. Sicher aber ist sie eine biografische und historische Konstante. Eine Minderheit stirbt an ihrem Geburtsort, und die Geschichte kann auch erz\u00e4hlt werden anhand dieser Wanderungsbewegungen. So sorgten etwa die franz\u00f6sischen Religionsfl\u00fcchtlinge des 17. Jahrhunderts durch ihre Bildung und ihr technologisches Know-how an vielen Orten f\u00fcr einen wirtschaftlichen Aufschwung. Und w\u00e4hrend im 19. Jahrhundert politische Fl\u00fcchtlinge aus den deutschen Staaten den hervorragenden Ruf der schweizerischen Universit\u00e4ten etablierten, verlie\u00dfen Familien die Alpent\u00e4ler, um in S\u00fcdamerika, den Vereinigten Staaten und in Russland eine bessere Zukunft aufzubauen. Die norddeutschen B\u00e4cker in Holland, die italienischen Bauarbeiter, die Rentner in S\u00fcdspanien \u2013 alles Fl\u00fcchtlinge. Und die Filme, die Hollywood rund um die Flucht produziert hat, sind ungez\u00e4hlt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die Migrationspolitik der europ\u00e4ischen Staaten verstand sich seit dem Zweiten Weltkrieg in erster Linie als Schutz des eigenen Arbeitsmarktes und der sozialen Sicherungssysteme. Das ist der wahre Grund f\u00fcr die Kategorien, in die man die Menschen nach ihren Fluchtgr\u00fcnden einteilt. Es sind Kriterien, um das Recht auf Flucht auf gewisse Gruppen zu beschr\u00e4nken. Doch dieses Recht folgt aus dem Naturrecht, aus jenen Rechten also, die jedem Menschen mit der Geburt zufallen und unver\u00e4u\u00dferlich sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die freiheitlichen Verfassungen sch\u00fctzen dieses Recht explizit. Die Fluchtgr\u00fcnde sind dabei zweitrangig. Priorit\u00e4r ist das Recht jedes Menschen, seinem Schicksal zu entkommen und mit Flei\u00df und Anstrengung eine bessere Zukunft zu erschaffen. Die amerikanische Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung, Modell f\u00fcr alle nachfolgenden Verfassungstexte, formuliert es so endg\u00fcltig wie elegant: &#8222;We hold these truths to be self-evident, that all men are created equal, that they are endowed by their Creator with certain unalienable Rights, that among these are Life, Liberty and the pursuit of Happiness.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\">Die Freiheit, nach seinem eigenen Gl\u00fcck zu streben, ist einer der zentralen Werte unserer Gesellschaft. Fu\u00dfballspieler, Showstars und Wirtschaftskapit\u00e4ne, die wir f\u00fcr ihre Tellerw\u00e4scherkarrieren bewundern \u2013 sie alle erz\u00e4hlen Fluchtgeschichten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Auch wo Menschen keine Rechte haben, gibt es Facebook.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Jeder Migration geht ein Leiden oder zumindest eine Unzufriedenheit voraus: Krieg, Naturkatastrophen, Armut. Und jede Flucht verursacht selber Leiden. Bei jenen, die auswandern, wie bei den Eingesessenen. Aber wenn zu bleiben Tod und Untergang bedeutet und Hoffnung auf Rettung besteht, wird dieses Leiden nebens\u00e4chlich. Wie meint doch der weise Esel in den &#8222;Bremer Stadtmusikanten&#8220; der Gebr\u00fcder Grimm zur verzagten Katze? &#8222;Etwas Besseres als den Tod findest du \u00fcberall.&#8220;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Diese Hoffnung ist unersch\u00fctterlich. Menschen werden sich niemals mit einem Leben begn\u00fcgen, das keine Perspektive bietet. Sie lassen sich von nichts aufhalten. Weder von nat\u00fcrlichen noch von administrativen Grenzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die Menschen, die in K\u00fchltransportern ersticken und im Mittelmeer ertrinken, sind letztlich Opfer dieser administrativen Grenzen. Ihnen fehlten die verlangten Papiere f\u00fcr eine ordentliche Einreise. Und erst diese Grenzen schaffen die Grundlage f\u00fcr das Schlepperwesen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die territoriale Hoheit wird immer noch durchgesetzt, kulturell hingegen haben sich die Grenzen l\u00e4ngst aufgel\u00f6st. Es gibt keinen Frieden in Syrien. Aber es gibt YouTube. In Eritrea gibt es keine Menschenrechte, aber es gibt Facebook und Instagram. Weltweit schauen Menschen die gleichen Clips, sie lesen dieselben Blogs, sie h\u00f6ren dieselben Ges\u00e4nge vom Aufstieg durch Anstrengung. Warum sollten sie glauben, dass jene Botschaft nicht auch an sie gerichtet ist?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Unsere Gesellschaft verf\u00fcgt \u00fcber drei Strategien, um mit der Migration umzugehen. Zun\u00e4chst kann man versuchen, den Fluchtimpuls zu verringern. Das kann nur geschehen, wenn das Gef\u00e4lle zwischen den Herkunfts- und den Fluchtl\u00e4ndern geringer wird. Erst ausgeglichene Lebensverh\u00e4ltnisse machen eine Flucht unn\u00f6tig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Bis dahin, und das ist die zweite Strategie, m\u00fcssen die Fl\u00fcchtlinge aufgenommen und integriert werden. Einige werden nach einer gewissen Zeit zur\u00fcckkehren. Andere werden l\u00e4nger, die dritten schlie\u00dflich ihr Leben lang hier bleiben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Diese Strategien erg\u00e4nzen sich. Die Herausforderungen, die sie an unsere Gesellschaft stellen, sind gewaltig. Kein Land ist stark genug, um diese Aufgaben alleine zu bew\u00e4ltigen. Es braucht transnationale Kooperationen. Und selbst das wird nicht reichen, denn an der Verwirklichung einer gerechteren, auf Ausgleich bedachten internationalen Ordnung werden Generation arbeiten m\u00fcssen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Das sollte uns nicht schrecken. Im Gegenteil. Gro\u00dfe Aufgaben beinhalten gro\u00dfe Chancen. Nicht alleine die Ziele sind erstrebenswert. Ebenso wichtig ist der Prozess, in den wir damit eintreten. Gesellschaften werden stark durch verbindliche Werte. Erst mit ihnen werden Menschen willens und f\u00e4hig, miteinander zu kooperieren. Und nur so sind sie bereit, f\u00fcr einen langfristigen Nutzen kurzfristige Zumutungen in Kauf zu nehmen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Genau dieser Wertemangel l\u00e4sst die europ\u00e4ischen Gesellschaften sklerotisch erscheinen. Hier, in einer Migrationspolitik f\u00fcr das 21. Jahrhundert, liegt die Chance, um der Politik das zu verschaffen, was eine Gesellschaft weiterbringt: Perspektiven, innere Koh\u00e4renz und dadurch Legitimit\u00e4t und Dynamik.<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff0000;\">Die DDR war mit dem Mauerbau am Ende.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Der Anfang w\u00e4re gemacht. Die Instrumente f\u00fcr eine Weltinnenpolitik sind entwickelt. Eine internationale Unternehmenshaftpflicht, die Tobin-Steuer \u2013 all dies sollte jetzt in konkrete Politik umgesetzt werden. Es w\u00e4re gar nicht so schwierig. Die Politiker m\u00fcssten blo\u00df einmal nicht an die n\u00e4chsten, sondern an die \u00fcbern\u00e4chsten Wahlen denken. Sie m\u00fcssten ihre W\u00e4hler mit einigen unangenehmen Tatsachen konfrontieren, anstatt die politische Sph\u00e4re weiter auszutrocknen. Aber leider wird viel zu h\u00e4ufig der dritten und letzten Strategie der Vorzug gegeben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Sie hei\u00dft Abschottung und ist gleichbedeutend mit Untergang. Nicht nur der Fl\u00fcchtlinge, sondern von uns selbst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die Lektionen der Geschichte sind selten eindeutig. Aber in einer Sache spricht sie klar: Wer zum Schutz der eigenen Vorteile Mauern baut, hat das Ende seiner Entwicklung erreicht. Das Schicksal der DDR war im Jahr 1961 besiegelt. Mit dem Bau der Mauer wurde klar, dass die stalinistische Diktatur jede innere Rechtfertigung verloren hatte. Doch jede Mauer, so hoch sie auch sein mag, wird eines Tages eingerissen werden. Und mit den Steinen fallen auch jene, die sie errichtet haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Eine moderne, kooperative und internationale Migrationspolitik, die mehr ist als ein Mittel, um den eigenen Arbeitsmarkt zu sch\u00fctzen, ist nicht einfach ein Gebot der Menschlichkeit. Sie ist vern\u00fcnftig, weil sie eine Konsequenz der Werte ist, die unsere Gesellschaft erfolgreich gemacht haben. Mit ihrer Flucht und mit ihrer Solidarit\u00e4t zeigen die Menschen auf beiden Seiten der Grenzen, dass sie gemeinsame Werte und Interesse haben und bereit sind, kurzfristige Zumutungen in Kauf zu nehmen, wenn die langfristigen Perspektiven Erfolg versprechen.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freiheit\u00a0\u00a0 \u00a0 Gewissen Aus\u00a0 &#8222;DIE WELT&#8220;\u00a0 4\u200e. \u200eSep\u200e. \u200e2015 von Lukas B\u00e4rfuss Wer Fl\u00fcchtlinge zur\u00fcckweist, geht mit ihnen unter. 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