{"id":718,"date":"2015-12-05T09:00:50","date_gmt":"2015-12-05T08:00:50","guid":{"rendered":"https:\/\/tyvijiqi.cyon.site\/?page_id=718"},"modified":"2025-03-16T13:28:14","modified_gmt":"2025-03-16T12:28:14","slug":"fluechtlinge-3","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/index.php\/ueber-m\/fluechtlinge-3\/","title":{"rendered":"Mein Vater"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><span style=\"color: #000080;\"><a href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Kalman-Hochzeit.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-15380\" src=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Kalman-Hochzeit-236x300.jpg\" alt=\"\" width=\"89\" height=\"113\" srcset=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Kalman-Hochzeit-236x300.jpg 236w, https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Kalman-Hochzeit.jpg 755w\" sizes=\"(max-width: 89px) 100vw, 89px\" \/><\/a>\u00a0 Im heutigen Weltgeschehen zeigen sich Parallelen zum Schicksal meines Vaters. Auch in meinem Leben ist das Fl\u00fcchtlingsthema allgegenw\u00e4rtig. <\/span><\/p>\n<h2><span style=\"color: #000080;\"><strong>Hier ein kleiner Einblick in die\u00a0Nachkriegszeit<\/strong><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Mein Vater, K\u00e1lm\u00e1n Drozdy (17.9.1904 &#8211; 6.9.1956), wurde als politisch Verfolgter gefoltert und konnte schliesslich 1948 fliehen. Seine Erfahrungen und Betrachtungen sind ein Zeitdokument, das heute aktueller ist denn je.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Budapest, 30.12.1946 \u2013 Brief meines Vaters (Meine Schwester Csilla war in dieser Zeit f\u00fcr neun Monate bei Familie Henzi in Herzogenbuchsee meinen sp\u00e4teren Pflegeeltern.)\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><img loading=\"lazy\" class=\"details-image alignleft\" draggable=\"false\" src=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/20151123_144404_resized.jpg\" alt=\"\" width=\"159\" height=\"283\" \/><br \/>\n<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><span style=\"color: #000080;\"> <img loading=\"lazy\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/20150306_131913_resized-169x300.jpg\" width=\"152\" height=\"270\" \/><span style=\"color: #000080;\">Liebe Pflegeeltern!<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Leider sind meine Sprachkenntnisse so gering, dass die von mir verfassten Briefe von einem Kollegen \u00fcbersetzt werden, welche ich dann auf der Maschine abschreibe. <\/span><span style=\"color: #000080;\">Ich unterrichte Ungarisch und Geschichte, und nur am Anfang meiner Studien war ich im Stande, selbstst\u00e4ndig einen deutschen Brief zu verfassen. Meine Fachstudien nehmen mich derart in Anspruch, dass ich die Deutsche Sprache verlernt habe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Ich erwarte Ihre weiteren Briefe, welche mir so unendlich lieb sind, nicht nur weil sie Nachricht von meiner Tochter Csilla bringen, sondern weil sie von Menschen stammen, <strong>die im humanit\u00e4ren Sinne so unendlich hoch \u00fcber den Sitten der heutigen allgemeinen<\/strong> <strong>Menschheit\u00a0 stehen<\/strong>, dass sie Kinder fremder, unter schlechten Umst\u00e4nde leidender Nationen in Pflege nehmen. Wie ich aus Ihrem werten Briefe erfahre, findet schon das 7. Kind aus verschiedenen L\u00e4ndern ein elterliches Heim in Ihrem lieblichen Haus, dort in weiter Ferne am Fu\u00dfe der grossen Berge auch viele andere.<a href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170921_182825_resized1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-13798 alignright\" src=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170921_182825_resized1-300x195.jpg\" alt=\"\" width=\"268\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170921_182825_resized1-300x195.jpg 300w, https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170921_182825_resized1-1024x665.jpg 1024w, https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170921_182825_resized1.jpg 1816w\" sizes=\"(max-width: 268px) 100vw, 268px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Uns erschien die Schweiz, w\u00e4hrend wir mit den Waffen, von unserem grausamen Schicksal in die H\u00e4nde gedr\u00fcckt gek\u00e4mpft haben, als ein <strong>M\u00e4rchenland<\/strong>, die gr\u00fcne Insel des Friedens, wonach wir uns brennend sehnten. Uns Ungarn zog es stets nach dem kleinen Land auf den Bergen, <strong>wo die V\u00f6lker frei leben, arbeiten und bl\u00fchen k\u00f6nnen.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Aber wir Ungarn sind seit einem Jahrtausend dazu bestimmt, gegen die vielen Gesslers, die uns, auf unsere Ebenen eindrangen. Und weil unser Ahne Arp\u00e0d, der Landnehmer sich als vollkommenen Rassenfremde auf einem ung\u00fcnstigen Gebiet niederliess, mussten wir uns gegen die Fressgier vieler Fremder wehren. Wir haben Europa dreimal gegen den des Ostens beschirmt, so konnten diese wilden Fluten von unserem Widerstand erschlafft, nicht mehr vom ungarischen Becken weiter nach Westen. Dieser Widerstand kostete uns, dass wir durch zwei Jahrhunderte Schlachtfeld waren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Doch haben wir uns erhoben und entwickelt, aber es wurde uns nicht erm\u00f6glicht, unser Paris, London oder Rom zu erbauen. Kaum war eine Stadt gebaut, wurde sie, bald von den Tartaren, bald von den T\u00fcrken zerst\u00f6rt, aber unser Traum, endg\u00fcltig neu zu bauen, liess der \u00f6sterreichische Nachbar und der habsburgische Neid nicht zu.<\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170921_190116.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-13789 alignleft\" src=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170921_190116-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"174\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170921_190116-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170921_190116-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/20170921_190116-1024x1021.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 174px) 100vw, 174px\" \/><\/a><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Auch heute sind wir die gr\u00f6\u00dften S\u00fcndiger von Europa, weil wir unseren Nachbarn im Wege stehen und sie n\u00e4hren die von ihnen begangenen Unmenschlichkeiten mit Mordtaten, R\u00e4ubereien in unseren Nacken. <strong>Unser Land ist jetzt vollkommen ausgepl\u00fcndert und wir m\u00fcssen, unsere H\u00e4nde geballt, um unsere Kinder zu retten, uns von ihnen trennen lassen.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Wenn unser Leiter, die heutigen ungarischen Gessler, nur einwenig gescheiter gewesen w\u00e4ren, k\u00f6nnten wir heute die verelendeten Kinder Europas bei uns aufnehmen. <strong>Unser Traum war schon lange<\/strong>, hier in Osteuropa nach Ihrem Muster <strong>eine \u00f6stliche Schweiz zu bilden,<\/strong> aber \u00fcber Studien, Planungen und Artikel kam es nie weiter. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Vielleicht unsere Kinder\u2026 ? ! <strong>Darum ersuche ich meinen lieben Kollegen, meinem Kinde so viel schweizerischen Geist beizubringen als es bei ihrem Alter nur m\u00f6glich ist. Sie ist<\/strong> <strong>jetzt ein Kind, aber der verstreute Samen geht vielleicht sp\u00e4ter auf.<\/strong><a href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Resized_20170414_112524.jpeg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-12994 alignright\" src=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Resized_20170414_112524-253x300.jpeg\" alt=\"\" width=\"146\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Resized_20170414_112524-253x300.jpeg 253w, https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Resized_20170414_112524-862x1024.jpeg 862w, https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/Resized_20170414_112524.jpeg 1023w\" sizes=\"(max-width: 146px) 100vw, 146px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Da unsere Schulen, die meisten in Ruinen liegen, m\u00fcssen wir l\u00e4ngere Ferien halten. <strong>Unsere Schulh\u00e4user sind halbwegs offen,<\/strong> wir haben eine Zentralheizung, aber f\u00fcr das Freie wollen wir doch nicht heizen. Die wenigen \u00d6fen gen\u00fcgen uns, von den 21 Lehrs\u00e4len zwei zu gebrauchen. Das Gymnasium ist zwei Stock hoch. Die Mauern sind zerspalten und der beschr\u00e4nkte <strong>Unterricht geht unter st\u00e4ndiger Lebensgefahr f\u00fcr Lehrer und Kinder weiter.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><strong>Im Winter sitzen Kinder und Lehrer im Lehrsaal mit Wintermantel und Hut<\/strong>. Da k\u00f6nnen Sie, mein Kollege Ihre Fantasie in Bewegung setzten. Unser Gehalt ist kaum genug zum blo\u00dfen Lebensunterhalt! \u00dcber uns P\u00e4dagogen hat man auch vormals, aber auch jetzt vergessen. Aber wir halten Stand. <strong>Wir erziehen, lehren unsere Kinder f\u00fcr das<\/strong> <strong>k\u00fcnftige gl\u00fcckliche Ungarn, und Europa.<\/strong> Der unmenschlichste Kampf ward uns zuteil w\u00e4hrend Jahrhunderten. Wir haben uns daran gew\u00f6hnt, an diesen Kampf f\u00fcr den Westen, welcher nun jetzt in Paris gegen uns so undankbar erwiesen hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><a href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/yellow-roses-2859077__340-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-16363 alignleft\" src=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/yellow-roses-2859077__340-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"269\" height=\"179\" srcset=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/yellow-roses-2859077__340-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/yellow-roses-2859077__340-1.jpg 509w\" sizes=\"(max-width: 269px) 100vw, 269px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Es ist mir gut bekommen, jemandem mein Herz auszusch\u00fctten, besonders Ihnen, der\u00a0 mir so warme, herzliche Briefe schreibt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Ich w\u00fcnsche Ihnen und Ihrer Gemahlin ein recht gl\u00fcckliches Neujahr.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">K\u00e1lm\u00e1n Drozdy\u00a0 \u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 Im heutigen Weltgeschehen zeigen sich Parallelen zum Schicksal meines Vaters. 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