{"id":20292,"date":"2025-12-22T00:00:02","date_gmt":"2025-12-21T23:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/tyvijiqi.cyon.site\/?p=20292"},"modified":"2025-12-23T07:12:42","modified_gmt":"2025-12-23T06:12:42","slug":"heute-22-12-die-gesellschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/index.php\/2025\/12\/22\/heute-22-12-die-gesellschaft\/","title":{"rendered":"22. Dezember &#8211; Die Gesellschaft"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #000080;\"><strong>Aus dem\u00a0<a style=\"color: #000080;\" href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/index.php\/tolstoikalender\/\">Tolstoi Kalender<\/a>\u00a0der Weisheit \u2013 22. Dezember <span style=\"color: #ff0000;\">&#8211; Die Gesellschaft<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><a style=\"color: #008000;\" href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/?s=einheit\">Einheit<\/a>\u00a0\u00a0 <a style=\"color: #008000;\" href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/?s=gesellschaft\">Gesellschaft<\/a><\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"details-image alignleft\" draggable=\"false\" src=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/20150320_101957_resized.jpg\" alt=\"\" width=\"199\" height=\"354\" \/><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Nichts scheint die Idee aufzuhalten, dass eine Verbesserung der Zivilisation durch die Ver\u00e4nderung der \u00e4usseren Form bewirkt werden kann. Diese Idee stimmt nicht und lenkt das Tun allzu vieler von der Bem\u00fchung ab, die das Leben wirklich verbessert.\u00a0<em>Tolstoi<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Zivilisation ist vor allem etwas Moralisches. Ohne Wahrheit, Pflichtgef\u00fchl, N\u00e4chstenliebe und Tugend geht alles zugrunde. Die Moral einer Gesellschaft ist die alleinige Grundlage der Zivilisation.<em>\u00a0 <a style=\"color: #000080;\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Henri-Fr%C3%A9d%C3%A9ric_Amiel\">Henri Amiel<\/a><br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Der Weise ist F\u00fchrer und regiert, der Unwissende m\u00f6ge ihm folgen. <em>Platon<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><strong>Das Denken des Menschen folgt dann dem richtigen Ziel, wenn es sich nicht mit der Einf\u00fchrung neuer Gesetze f\u00fcr die Regierung befasst, sondern damit, die moralische W\u00fcrde eines jeden Menschen zu akzeptieren.<\/strong><em> <a style=\"color: #000080;\" href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Edmund_Yates\">Edmund Yates<\/a><br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Der Sozialismus stellt im Vergleich zum Christentum eine eher kleine, zweitrangige Frage in Bezug auf die materiellen Bed\u00fcrfnisse der Arbeiterklasse; er steht ausserhalb der Grundfragen des menschlichen Lebens. <em>Fjodor Strachow<a style=\"color: #000080;\" href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/people-1443449__180.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-5882 alignright\" src=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/people-1443449__180.jpg\" alt=\"people-1443449__180\" width=\"231\" height=\"156\" \/><\/a><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Wir sollten vor allem begreifen, dass wir alle Kinder desselben Vaters sind und demselben allgemeinen Gesetz nachkommen m\u00fcssen: nicht f\u00fcr uns selbst zu leben, sondern anderen zu helfen, gl\u00fccklich zu sein.\u00a0<\/span><em><span style=\"color: #000080;\"> <a style=\"color: #000080;\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Giuseppe_Mazzini\">Giuseppe Mazzini<\/a><\/span><br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><span style=\"color: #008000;\"><span style=\"color: #008080;\"><strong><a href=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/images.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-19352 alignleft\" src=\"https:\/\/www.anikodrozdy.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/images.jpg\" alt=\"\" width=\"82\" height=\"107\" \/><\/a><span style=\"color: #008000;\">Des Mystikers Sicht:<\/span><\/strong> <\/span>Dies ist Joshuas Lehre: \u201eLiebet Alaha, den Vater aller Menschen, mit eurem ganzen Herzen, mit eurer ganzen Seele, mit eurem ganzen Denken, mit eurem ganzen Wesen, und liebet alle Menschen, die Kinder Alahas, wie euer eigenes Selbst\u201c. <em>Daskalos<\/em><\/span><\/span><\/p>\n<h3><span style=\"color: #008000;\"><strong> <img loading=\"lazy\" class=\"alignleft\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/b\/b6\/Wolfgang_Borchert_-_Letztes_Foto_als_Zivilist_im_Sommer_1941.jpg\" width=\"82\" height=\"117\" \/>Das Holz<\/strong> <strong>f\u00fcr morgen von\u00a0 <\/strong><a style=\"color: #008000;\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wolfgang_Borchert\">Wolfgang Borchet<\/a><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Er machte die Etagent\u00fcr hinter sich zu. Er machte sie leise und ohne viel Aufhebens hinter sich zu, obgleich er sich das Leben nehmen wollte. Das Leben, das er nicht verstand und in dem er nicht verstanden wurde. Er wurde nicht von denen verstanden, die er liebte. Und gerade das hielt er nicht aus, dieses Aneinandervorbeisein mit denen, die er liebte.<\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Aber es war noch mehr da, das so gro\u00df wurde, da\u00df es alles \u00fcberwuchs, und das sich nicht wegschieben lassen wollte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Das war, da\u00df er nachts weinen konnte, ohne da\u00df die, die er liebte, ihn h\u00f6rten. Das war, da\u00df er sah, da\u00df seine Mutter, die er liebte, \u00e4lter wurde und da\u00df er das sah. Das war, da\u00df er mit den anderen im Zimmer sitzen konnte, mit ihnen lachen konnte und dabei einsamer war als je. Das war, da\u00df die anderen es nicht schie\u00dfen h\u00f6rten, wenn er es h\u00f6rte. Da\u00df sie das nie h\u00f6ren wollten. Das war dieses Aneinandervorbeisein mit denen, die er liebte, das er nicht aushielt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Nun stand er im Treppenhaus und wollte zum Boden hinaufgehen und sich das Leben nehmen. Er hatte die ganze Nacht \u00fcberlegt, wie er das machen wollte, und er war zu dem Entschlu\u00df gekommen, da\u00df er vor allem auf den Boden hinaufgehen m\u00fcsse, denn da w\u00e4re man allein und das war die Vorbedingung f\u00fcr alles andere. Zum Erschie\u00dfen hatte er nichts und Vergiften war ihm zu unsicher. Keine Blamage w\u00e4re gr\u00f6\u00dfer gewesen, als dann mit Hilfe eines Arztes wieder in das Leben zur\u00fcckzukommen, und die vorwurfsvollen mitleidigen Gesichter der anderen, die so voll Liebe und Angst f\u00fcr ihn waren, ertragen zu m\u00fcssen. Und sich ertr\u00e4nken, das fand er zu pathetisch, und sich aus dem Fenster st\u00fcrzen, das fand er zu aufgeregt. Nein, das Beste w\u00fcrde es sein, man ginge auf den Boden. Da war man allein. Da war es still. Da war alles ganz unauff\u00e4llig und ohne viel Aufhebens. Und da waren vor allem die Querbalken vom Dachstuhl. Und der W\u00e4schekorb mit der Leine.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Als er die Etagent\u00fcr leise hinter sich zugezogen hatte, fa\u00dfte er ohne zu z\u00f6gern nach dem Treppengel\u00e4nder und ging langsam nach oben. Das kegelf\u00f6rmige Glasdach \u00fcber dem Treppenhaus, das von ganz feinem Maschendraht wie von Spinngewebe durchzogen war, lie\u00df einen blassen Himmel hindurch, der hier obern dicht unter dem Dach am hellsten war.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Fest umfa\u00dfte er das saubere hellbraune Treppengel\u00e4nder und ging leise und ohne viel Aufhebens nach oben. Da entdeckte er auf dem Treppengel\u00e4nder einen breiten wei\u00dfen Strich, der vielleicht auch etwas gelblich sein konnte. Er blieb stehen und f\u00fchlte mit dem Finger dar\u00fcber, dreimal, viermal. Dann sah er zur\u00fcck. Der wei\u00dfe Strick ging auf dem ganzen Gel\u00e4nder entlang. Er beugte sich etwas vor. Ja, man konnte ihn bis tief in die dunkleren Stockwerke nach untern verfolgen. Dort wurde er ebenfalls br\u00e4unlicher, aber er blieb doch einen ganzen Farbton heller als das Holz des Gel\u00e4nders. Er lie\u00df seinen Finger ein paarmal auf dem wei\u00dfen Strich entlangfahren, dann sagte er pl\u00f6tzlich: Das hab ich ja ganz vergessen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Er setzte sich auf die Treppe. Und jetzt wollte ich mir das Leben nehmen und hatte das beinahe vergessen. Dabei war ich es doch. Mit der kleinen Feile, die Karlheinz geh\u00f6rte. Die habe ich in die Faust genommen und dann bin ich in vollem Tempo die Treppe runtergesaust und habe dabei die Feile tief in das weiche Gel\u00e4nder gedr\u00fcckt. In den Kurven habe ich besonders stark gedr\u00fcckt, um zu bremsen. Als ich unten war, ging \u00fcber das Treppengel\u00e4nder vom Boden bis zum Erdgescho\u00df eine tiefe, tiefe Rille. Das war ich. Abends wurden alle Kinder verh\u00f6rt. Die beiden M\u00e4dchen unter uns, Karlheinz und ich. Und der nebenan. Die Hauswirtin sagte, das w\u00fcrde mindestens vierzig Mark kosten. Aber unsere Eltern wu\u00dften sofort, da\u00df es von uns keiner gewesen war. Dazu geh\u00f6rte ein ganz scharfer Gegenstand, und den hatte keiner von uns, das wu\u00dften sie genau. Au\u00dferdem verschandelte doch kein Kind das Treppengel\u00e4nder in seinem eigenen Haus. Und dabei war ich es. Ich mit der kleinen spitzen Feile. Als keiner von den Familien die vierzig Mark f\u00fcr die Reparatur des Treppengel\u00e4nders bezahlen wollte, schrieb die Hauswirtin auf die n\u00e4chste Mieterrechnung je Haushalt f\u00fcnf Mark mehr drauf f\u00fcr Instandsetzungskosten des stark demolierten Treppenhauses. F\u00fcr dieses Geld wurde dann gleich das ganze Treppenhaus mit Linoleum ausgelegt. Und Frau Daus bekam ihren Handschuh ersetzt, den sie sich an dem aufgesplitterten Gel\u00e4nder zerrissen hatte. Ein Handwerker kam, hobelte die R\u00e4nder der Rille glatt und schmierte sie dann mit Kitt aus. Vom Boden bis zum Erdgescho\u00df. Und ich, ich war es. Und jetzt wollte ich mir das Leben nehmen und hatte das beinahe vergessen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Er setzte sich auf die Treppe und nahm einen Zettel. Das mit dem Treppengel\u00e4nder war ich, schrieb er da drauf. Und dann schrieb er oben dar\u00fcber: An Frau Kaufmann, Hauswirtin. Er nahm das ganze Geld aus seiner Tasche, es waren zweiundzwanzig Mark, und faltete den Zettel da herum. Er steckte ihn oben in die kleine Brusttasche. Da finden sie ihn bestimmt, dachte er, da m\u00fcssen sie ihn ja finden. Und er verga\u00df ganz, da\u00df sich keiner mehr daran erinnern w\u00fcrde. Er verga\u00df, da\u00df es schon elf Jahr her war, das verga\u00df er. Er stand auf, die Stufe knarrte ein wenig. Er wollte jetzt auf den Boden gehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Er hatte das mit dem Treppengel\u00e4nder erledigt und konnte jetzt nach oben gehen. Da wollte er sich noch einmal laut sagen, da\u00df er es nicht mehr aushielte, das Aneinandervorbeisein mit denen, die er liebte, und dann wollte er es tun. Dann w\u00fcrde er es tun.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Unten ging eine T\u00fcr. Er h\u00f6rte, wie seine Mutter sagte: Und dann sag ihr, sie soll das Seifenpulver nicht vergessen. Da\u00df sie auf keinen Fall das Seifenpulver vergi\u00dft. Sag ihr, da\u00df der Junge extra mit dem Wagen los ist, um das Holz zu holen, damit wir morgen waschen k\u00f6nnen. Sag ihr, das w\u00e4re f\u00fcr Vater eine gro\u00dfe Erleichterung, da\u00df er nicht mehr mit dem Holzwagen los braucht und da\u00df der Junge wieder da ist. Der Junge ist extra los heute. Vater sagt, das wird Ihm Spa\u00df machen. Das hat er die ganzen Jahre nicht tun k\u00f6nnen. Nun kann er Holz holen. F\u00fcr uns. F\u00fcr morgen zum Waschen. Sag ihr das, da\u00df er extra mit dem Wagen los ist und da\u00df sie mir nicht das Seifenpulver vergi\u00dft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Er h\u00f6rte eine M\u00e4dchenstimme antworten. Dann wurde die T\u00fcr zugemacht, und das M\u00e4dchen lief die Treppen hinunter. Er konnte ihre kleine rutschende Hand das ganze Treppengel\u00e4nder entlang bis unten verfolgen. Dann h\u00f6rte er nur ihre Beine noch. Dann war es still. Man h\u00f6rte das Ger\u00e4usch, das die Stille machte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Er ging langsam die Treppe abw\u00e4rts, langsam Stufe um Stufe abw\u00e4rts. Ich mu\u00df das Holz holen, sagte er, nat\u00fcrlich, das hab ich ja ganz vergessen. Ich mu\u00df ja das Holz holen, f\u00fcr morgen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\">Er ging immer schneller die Treppen hinunter und lie\u00df seine Hand dabei kurz hintereinander auf das Treppengel\u00e4nder klatschen. Das Holz, sagte er, ich mu\u00df ja das Holz holen. F\u00fcr uns. F\u00fcr morgen. Und er sprang die letzten Stufen mit gro\u00dfen S\u00e4tzen abw\u00e4rts. Ganz oben lie\u00df das dicke Glasdach einen blassen Himmel hindurch. Hier unten aber mu\u00dften die Lampen brennen. Jeden Tag.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aus dem\u00a0Tolstoi Kalender\u00a0der Weisheit \u2013 22. Dezember &#8211; Die Gesellschaft Einheit\u00a0\u00a0 Gesellschaft Nichts scheint die Idee aufzuhalten, dass eine Verbesserung der Zivilisation durch die Ver\u00e4nderung der \u00e4usseren Form bewirkt werden kann. 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