1. April – Nützliches Wissen

Aus dem Tolstoi Kalender der Weisheit – 1. April

Wissen   Glauben   Wahrheit

space-1140895_960_720Die Wissenschaft lässt sich in unzählige Disziplinen aufteilen, und das Wissen, das man in jeder Disziplin erwerben kann, ist grenzenlos. Das wichtigste Wissen ist demnach das Wissen darum, was zu lernen wichtig ist und was nicht. Tolstoi

Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt. Wenn man zwei Stunden lang mit einem netten Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heissen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität. Albert Einstein

Das Wissen ist grenzenlos. Deshalb ist der Unterschied zwischen denen, die viel wissen und denen, die nur wenig wissen, sehr klein. Tolstoi

Finde den verborgenen Schatz – ein Vortrag von Dr. Stylianos Atteshlis  (12.12.1912 – 26.8.1995), dem christlichen Mystiker – bekannt als Daskalos       18. 2. 1992 in Strovolos auf Zypern 

Als ich damals diesen Vortrag hörte, spürte ich diese unendliche Liebe und die verborgene Weisheit. Verstanden habe ich jedoch wenig. Doch durch das Studium und durch Meditation kann jeder diesen Schatz finden.

Wenn wir uns irgendwohin auf den Weg machen, gehen wir dann los, ohne zu wissen, wohin wir gehen? Gehen wir ins Ungewisse, ohne irgendein Ziel, ohne etwas im Sinn zu haben? Wir fangen etwas an. Doch wozu? Und wohin wird uns das führen? Wir haben begonnen, diese Dinge zu untersuchen, doch was ist unser Ziel? Wohin wollen wir gehen? Wenn wir über den Weg, den wir beschreiten, etwas wissen, müssen wir auch über die Gefahren nachdenken und darüber, was uns auf diesem Weg begegnen könnte. Wohin gehen wir? Und was müssen wir mitnehmen?

Denn ohne mitzunehmen, was wir unterwegs brauchen, gehen wir nicht los. Wohin gehen wir? Wir wollen den verborgenen Schatz finden! Um es mit der Bibel zu sagen, wollen wir die kostbare Perle finden.  Was ist nun diese kostbare Perle, dieser verborgene Schatz? Das Ziel aller Wahrheitsforscher ist es, das Selbst zu finden und zu erforschen, zu erkennen, was sie sind. Ist es möglich, das herauszufinden? Wir denken, wir seien Menschen, eine Persönlichkeit in einem Körper aus Fleisch und Knochen.

Wer beginnt eigentlich zu forschen, um Dinge herauszufinden und zu wissen? Natürlich die derzeitige Persönlichkeit. Und wie Yiohannan sagte, ist selbst die derzeitige Persönlichkeit Gott, ohne dass sie es weiß. In welcher Hinsicht ist sie Gott?

Was ist Gott? Wer ist Gott? Wir sollten das wissen. Wir sagten, dass Gott das ewigwährende Leben ist. Um das Wesen und die Eigenschaften Gottes zu erkennen, müssen wir herausfinden, was das Leben ist. Yiohannan hat es in den Vorträgen klar ausgedrückt. Er sagte, dass Gott das ewigwährende Leben im ewigen Jetzt ist, ohne Anfang und ohne Ende. Es gibt immer ein Jetzt, es gab immer ein Jetzt, und es wird auch immer ein Jetzt geben. Das ewigwährende Jetzt ist eine Ausdrucksform und die Manifestation Gottes in seiner Allweisheit, es ist Ausdruck der Schaffensfreude Gottes, sich selbst in sich selbst Ausdruck zu verleihen. Und wen bringt Gott zum Ausdruck? Sich selbst!

Was ist nun Gott, dass Gott die Absolute Unendliche Seinsheit in sich die Schaffensfreude trägt, sich selbst Ausdruck zu geben?

Yiohannan bezeichnete Gott als die Absolute Unendliche Selbstheit. Er hat alles genau beschrieben, doch wer hat je darüber nachgedacht, was die Absolute Unendliche Selbstheit ist?  Yiohannan sagte, dass die Absolute Unendliche Seinsheit, das ewigwährende Leben, die Absolute Selbstheit allgegenwärtig ist.

Die Allgegenwart ist ein weiteres Merkmal des Selbstes. Was bedeutet nun Allgegenwart? Sich überall aller Dinge gewahr zu sein. Allgegenwart trägt Allweisheit in sich. Yiohannan gab uns ein Beispiel: Wenn wir ein Glas mit Wasser aus dem Meer befüllen, dann können wir erforschen, was das Meer ist, und wir erfahren etwas über die Eigenschaften des Meeres. Doch was ist mit der Quantität? Ein Glas Meerwasser kann uns gewiss Auskunft über die Substanz geben, aus der das Meer besteht.

Doch selbst das Meer hat seine Grenzen. Die Unendliche Seinsheit aber ist grenzenlos. Sie ist noch viel, viel größer als der Vergleich von einem Glas Wasser mit dem Meer zeigen kann. Was uns aber wirklich beschäftigt ist die Frage, was wir sind, denn wir sind von einer Substanz mit dem Vater! Selbst der Begriff „von einer Substanz mit dem Vater“ gibt nicht die genaue Bedeutung dessen wieder, was ich sagen möchte. Gemeint ist die Gleichartigkeit mit diesem Zustand. Worin gleichen wir der Absoluten Unendlichen Seinsheit?

„Lasst uns den Menschen erschaffen in unserem Bilde und nach unserem Gleichnis“. Für einen, der denken kann, ist es klar, denn das Bild und das Gleichnis ist die Selbstheit! Nun können wir über die Eigenschaften der Absoluten Unendlichen Selbstheit nachdenken, nicht über ihre Quantität. Und über diese können wir etwas erfahren, wenn wir unser Selbst kennen. Auch als menschliche Wesen bringen wir in der Zeit und an einem bestimmten Ort ein Selbst zum Ausdruck. Deshalb sind wir Götter!

Die Selbstheit ist das Göttliche! Wir – wer wir? Das unbedeutende kleine Selbst in einer Persönlichkeit, das sich in Körpern, in einer Form, in materiellen Zustandsformen Ausdruck verleiht. Wir sagten, dass selbst die Wesensnatur des derzeitigen Persönlichkeitselbstes Gott ist. Doch in der Zeit und am Ort wirft diese Wesensnatur einen Schatten.

Und was ist das Licht? Yiohannan sagte es im Evangelium: „In ihm ist Leben, und das Leben ist das Licht der Menschen.“ Das ist die Selbstheit! Als Selbst sind wir das Licht. Folgt einfach diesem Licht! Was ist nun das Dazwischenliegende, das den Schatten wirft? Die Körper! Die noetischen, psychischen und materiellen Körper sind das dazwischenliegende Etwas, das den Schatten wirft.  Und was ist der Schatten? Die Persönlichkeit mit ihrem Egoismus. Nun wissen wir, worauf wir abzielen: Wir möchten die relative Wahrheit in den Welten der Getrenntheit verstehen. Wir möchten den Schatten verstehen, indem wir das, was zwischen dem Licht und dem Schatten liegt, kennenlernen. Und wir möchten erkennen, dass wir das Licht sind, und nicht der Schatten!

Yiohannan sagt: „Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst“ (Johannes 1:5). Allein diese wenigen Sätze, mit denen Yiohannan sein Evangelium beginnt, sind äußerst aufschlussreich. Wir wissen also, wer wir sind! Um es herauszufinden müssen wir erforschen, was wir zu sein glauben, um zu erkennen, dass wir das nicht sind. Um unsere Körper zu erforschen, müssen wir unsere Kleidung ablegen, damit wir erkennen können, wer wir sind. Wer ist dann derjenige, der die Wahrheit erkennen wird? Das Ego der derzeitigen Persönlichkeit! Der Teil, der unser Selbst ist, ohne es zu wissen. Und auf welche Weise müssen wir es herausfinden? Durch Beobachtung, Meditation und Studium. Durch unsere Studien können wir also die Wahrheit finden. Und was ist die Wahrheit? Wir suchen und suchen nach dem Schatz, und wenn wir ihn finden, werden wir erkennen, dass wir der Schatz sind. Es ist also nicht notwendig, in der Ferne zu suchen.

Denken wir an das Leben des Bodhisattwa Buddha. Wer war er? Ein Prinz, der in einem Palast geboren wurde. Die weisen Männer im Umfeld des Maharadscha sagten zum König: „Wenn dieser Junge sieht, wie ein Wesen stirbt, oder wenn er einen Toten entdeckt, wirst du ihn verlieren. Er darf also niemals so etwas sehen.“ Bodhisattwa Buddha konnte sich im Palast und in den Gärten natürlich frei bewegen. Doch er war auf der Suche. Es steht geschrieben, dass er eines Tages auf eine Mauer kletterte und sah, wie jemand zur Beerdigung weggetragen wurde. Also kehrte er in den Palast zurück und fragte: „Was ist dieses Phänomen? Was bedeutet es, wenn ein Mensch tot ist? Heißt das, dass es nichts Unvergängliches gibt? Welchen Sinn hat dann all meine Freude hier im Palast?“

In der Zwischenzeit hatte ihm der Maharadscha eine Frau geschenkt, er war verheiratet und hatte einen Sohn. Doch er musste die Wahrheit finden, und sagte, dass er sie hier im Palast, in all dem Luxus nicht finden könne. Er nahm seine Kleider, umwickelte sich mit einem Tuch, verließ den Palast fast nackt und barfuß und machte sich auf den Weg in den Dschungel. Dort fing er an, zu meditieren, zu beobachten, zu sehen, und dem Singen der Vögel zu lauschen. Er wollte Gott finden. So fing er an zu fasten und wurde sehr mager und dünn. Doch dann erkannte er, dass dies nicht der richtige Weg war. Hungrig konnte er Gott nicht finden. Also ging er ins Dorf und begann wieder zu essen. Aus diesem Grund sehen wir BuddhaFiguren immer mit einem vorgewölbten Bauch. Während seiner Suche bemerkte er, dass die wilden Tiere ihn nicht verletzten, während dies bei anderen Menschen der Fall war, und er fragte sich natürlich, was der Grund war. Es lag an seiner Aura, seinem Forschen nach der Wahrheit. Eines Tages wurde er ohnmächtig, und da empfing er eine Offenbarung. Als er wieder zu Bewusstsein kam, versammelte er seine Schüler um sich und fing an, sie zu unterrichten.

Und was sagte er ihnen? „Überall habe ich nach Gott gesucht. Und dann fand ich ihn in mir!“ Das sind die gleichen Worte, die Christus gebrauchte, als er sagte: „Ich bin Gott“. Wir sind unsterbliche Götter! Und zu keiner Zeit war es anders. Doch es gab eine Zeit, in der wir nicht als menschliche Wesen existierten. Yiohannan hat diese beiden Formen des Lebens erklärt, die Seinsheit und die Existenz. Unsere Aufgabe ist es, den Unterschied zwischen der Welt der Existenz und der Welt der Seinsheit zu verstehen, zwischen den Phänomenen des Lebens und dem ewigwährenden Leben.

Als menschliche Wesen sind wir Phänomene des Lebens. Und es gibt in unserem Umfeld im Tierreich und im Pflanzenreich andere Phänomene des Lebens. Was ist nun der Unterschied zwischen uns und irgendeinem anderen Phänomen des Lebens? Wir bringen eine Ich-heit zum Ausdruck! Wir sagen „ich bin“, sogar, wenn wir einen weiblichen oder männlichen Namen hinzufügen. Gott ist die Selbstheit! Unterscheidet sich das Selbst des einen Menschen vom Selbst eines anderen? Nein. Zwischen Seelen und Geist-Selbsten gibt es keinen Unterschied. Doch was ist wirklich bedeutsam für uns? Die Selbstheit, unsere Wesensnatur, unsere Ich-heit, unser Ego-Selbst!

Wir müssen forschen, um die Wahrheit über das Leben und die Phänomene des Lebens zu finden, die Wahrheit über unser Leben und über das Leben der Phänomene des Lebens in unserem Umfeld. Und dann müssen wir die Selbstheit erforschen – unser Selbst, das Selbst der anderen, und das höchste Göttliche Selbst.

Worin unterscheiden sich Christen von Muslimen (obwohl sie an dieselben Dinge glauben), Buddhisten und einige Brahmanen?

Sie kennen das Selbst nicht, sie mutmaßen lediglich, was es ist. Sie nennen es Brahman oder Ishvara, d.h. sie geben ihm Namen. Und sie denken, dass die ganze Persönlichkeit des Menschen, und auch das Selbst dieser Persönlichkeit vergänglich sind. Sie begehen den Fehler, zu glauben, das Selbst sei ein Name, ein paar Wünsche, Emotionen und Gedanken.

Was bedeutet vergänglich? Es bedeutet, dass sich etwas ständig verändert. Wünsche, Emotionen und Gedanken verändern sich unablässig. Doch wir bleiben weiter am Leben, und wir sind. Also müssen wir unser Selbst finden, unser eigenes Sein, unsere Ich-heit. Und die ist wiederum Gott, ewigwährendes Leben, ein ewigwährendes Geist-SeelenEgo. Darin unterscheiden wir uns von bestimmten Formen des Buddhismus (nicht von allen). Sie glauben an ein Nirvana im Sinne des „Nichts“. Doch wenn das absolute Nichts existierte, könnte es die Absolute Selbstheit nicht geben. Warum vergleichen Christus und alle anderen Religionen die Geist-Seele des Menschen mit dem Licht? „In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.“ Das ist die Selbstheit. Angenommen, wir haben eine große Kerze, die eine schöne Flamme erzeugt. Wenn wir nun noch eine kleinere Kerze anzünden und die Flammen verbinden, werden wir eine Flamme sehen. Doch wenn wir die beiden Kerzen wieder voneinander trennen, haben wir auch wieder zwei Flammen. Wenn wir die Flamme der kleineren Kerze mit der Flamme der großen Kerze vereinen, wird die kleine Flamme dann vernichtet oder ausgelöscht? Nein! Sie befindet sich in der großen Kerze! Und wenn wir sie wegnehmen, haben wir wieder zwei einzelne Flammen.

Lasst uns nicht den Fehler machen, zu glauben, im Eins-Sein würden wir unser Selbst verlieren. Viele denken, Einswerdung bedeute, das Selbst an das Absolute Selbst zu übergeben, was einem Ende des eigenen Selbst gleichkäme. Das ist nicht möglich. Und warum? Weil wir durch all die vergangenen Jahrhunderte hindurch, während einer Ewigkeit, die hinter uns liegt, unser Ego-Selbst gewesen sind. Wenn dem nicht so wäre, wie könnte es dann sein, dass wir unsere eigene Selbstheit bewahren, wenn wir aus dem Absoluten Selbst heraustreten? Dies beweist, dass wir immer unsere eigene Selbstheit besaßen. Doch es bedarf tiefer Meditation, um diese Stufe der Eingebung zu erreichen. Wie gelangen wir zu dieser Eingebung? Und was ist eigentlich Eingebung? Erleuchtung? Ja, Eingebung ist eine Form von Erleuchtung. Doch wie können wir sie erlangen, und wer erlangt sie? Was sind wir? Yiohannan gab ein sehr gutes Beispiel, als er sagte, dass sich ein Mensch in einem dreifachen Spiegel sieht.

Die Ego-Geist-Selbst-Seele eines jeden ist wunderschön. Doch wie steht es mit unserem Spiegelbild? Dies hängt davon ab, wie rein die Spiegel sind. Wir sagten, dass wir uns in einem dreifachen Spiegel sehen: im noetischen, im psychischen und im materiellen. Welches Abbild sehen wir nun im Spiegel? Ist es entstellt, hässlich? Es entspricht der Qualität des materiellen, psychischen und noetischen Körpers. Vielleicht sehen wir ein abstoßendes Monster, während wir in Wahrheit wunderschön sind. Die Geist-Seele ist nicht hässlich, sie ist Gott! Doch was ist das Abbild in den drei Spiegeln?

Angenommen, jemand kommt mit einem Hammer und zerbricht die Spiegel. Unser heiliger Schutzerzengel tut dies von Zeit zu Zeit. Dann sehen wir nicht länger ein scheußliches Abbild im Spiegel. Doch wir machen den Fehler, zu glauben, dieses Abbild sei unser Selbst. Verlieren wir irgendetwas als selbstbewusstes Ego, wenn die Spiegel zerbrochen werden? Wenn wir unser Selbst nicht länger gespiegelt sehen, wie können wir dann wissen, dass wir sind und existieren?

Wir werden einen besseren Spiegel machen, was Reinkarnation bedeutet. Von Zeit zu Zeit ist es nötig, die Spiegel zu zerbrechen, damit wir uns wieder besinnen können. Wenn wir uns in diesen drei Spiegeln sehen, im materiellen, psychischen und noetischen Körper, sind wir ständig außerhalb unserer Ich-heit. Wir konzentrieren uns in Dinge und Geschehnisse der materiellen Welt. Wir finden nicht die Zeit, in unser Selbst einzudringen. Joshua der Christus sagte: „Das Himmelreich ist in euch.“ Was ist nun dieses Himmelreich? Es ist unsere Wesensnatur, unsere Selbstheit, der Umstand, dass wir Meister der Existenzformen sind. Als Wahrheitsforscher sollten wir damit beginnen, uns nach innen zu konzentrieren, gottwärts, und zwar mindestens ½ Stunde jeden Tag.

Wie? Das ist der wichtigste Punkt. Wir müssen den Dschungel durchqueren! Dabei werden wir herausfinden, dass wir nicht nur in der äußeren Welt konzentriert sind, wenn wir sagen, dass wir wach sind. Dieser Dschungel in unserem Inneren ist unser Unterbewusstsein. Es ist die Summe aller Elementale, die unsere derzeitige Persönlichkeit und den Egoismus bilden. Wir sollten nicht glauben, dass es ein Leichtes sei, diesen Dschungel zu durchqueren, denn wir werden das Gebrüll der wilden Tiere hören, der unkontrollierten Wünsche und der Wut, und den Schlangen begegnen, die die Elementale der Bösartigkeit und des Hasses sind, und noch vieler anderer Emotionen. Doch in der wahren Innenschau sollten wir spüren, dass wir nicht der Beschmutzte sind, sondern das Licht. Nur weil das Licht auf den Schmutz fällt, heißt das nicht, dass das Licht schmutzig geworden ist. Wenn uns das bewusst ist, sollten wir nicht verzweifeln.

An dieser Stelle wird sich unser Egoismus zeigen und sagen: „Aber ich bin du, und selbstverständlich spüre ich diese Reaktionen.“ Und was werden wir antworten? „Nein, nein. Du bist jetzt ein Teil meines Selbst als eine Art Selbstbewusstsein, und ich werde dich reinwaschen.“ Der Egoismus wird antworten: „Sag, wer bist du, dass du mich reinwaschen möchtest? Bist du nicht ich?“ Und wir werden erwidern: „Nicht wirklich. Wir haben unseren Platz verändert. Ich bin ich. Aber ich überlasse dich nicht der Vernichtung. Ich muss das Unsterbliche nehmen, die Selbstheit, und dich erretten. Doch du musst mir helfen, dich reinzuwaschen!“ Was genau müssen wir fortspülen? Feindseligkeiten, Grausamkeit, Eifersucht, Illusionen und vieles mehr. Wir müssen sie hinter uns lassen! Was wird dann vor unserer derzeitigen Persönlichkeit oder vor unserem Egoismus errettet werden?

Ihre unsterbliche Natur! Nicht die Abbilder in den Spiegeln, also nicht die materiellen, psychischen und noetischen Körper. Sogar die Wesensnatur unserer derzeitigen Persönlichkeit ist unsterblich (denn sie ist ein Phänomen des Lebens und lebt). Das hat Jesus Christus gesagt: „Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.“ Worte, die vollkommen missverstanden wurden! Nichts von unserem Selbst soll verloren gehen. Was wir tun müssen, ist, unser Selbst als derzeitige Persönlichkeit zu spüren und diese zu transformieren in unsere Individualität, in die permanente Persönlichkeit.  Und was werden wir herausfinden, wenn wir die Persönlichkeit auf diese Weise gereinigt haben? Dass wir sind! Es gibt kein Überselbst. Es ist nur ein Selbst. Es gibt nur ein Ich.

Ihr mögt nun denken: „Aber da sind zwei Ich, denn wir sagen ja ich bin ich“. Nein! Diese beiden bilden einen Kreis!

Und was ist dieser Kreis? Der Kreis, der sich in alle Richtungen bewegt, wird zur noetischen Kugel. Versucht, dies in der Visualisierung zu erfassen! Indem wir uns in einem vorgezeichneten Radius in alle Richtungen bewegen, erschaffen wir eine Kugel.

Welche Kugel? Jede Kugel gehorcht denselben Regeln und Gesetzen, jeder Kugel liegen dieselben Ursachen zugrunde: Wir haben Bewegung innerhalb eines bestimmten Radius, wir haben einen Mittelpunkt, und dies prägt den Umfang der Kugel.

Das ist die Welt der Existenz. Und es gibt kleine Kugeln, größere, und noch größere! Warum sind die Himmelskörper kugelförmig? Denkt darüber nach. Der Grund ist, dass sie diesem Gesetz gehorchen. Und wer dreht sich vom Mittelpunkt einer Sache zum Umfang hin?

Die Gruppenerzengel der Existenz und des Schöpfertums! Unsere kugelförmige Erde lebt ihr eigenes Leben. Alles lebt. Und wer lebt auf dem Planeten? Eine Wesenheit, oder viele? Das müssen wir bedenken.

Hier leben viele Wesenheiten: alle Erzengel der Elemente, und alle Engel. Doch wer sagt uns, dass sich nicht das gleiche in unserem Körper wiederholt? Was ist unsere derzeitige Persönlichkeit? Ist sie nicht die Summe unserer Elementale? Wenn wir unsere Persönlichkeit und die Elementale erforschen, werden wir erkennen, dass unsere derzeitige Persönlichkeit ein Wesen ist, das sich aus den Elementalen zusammensetzt. Doch ist das wirklich unser Selbst? Sind die Elementale unser Selbst? Jeder von uns wird sagen: „Nein, ich bin ich, Meister dieses materiellen Körpers, Herr über die Organe. Und ich bin dabei, Herr über meine Wünsche und Gefühle zu werden, Herr über meine Elementale.

Wer bin ich dann tatsächlich?“ Dann werden wir unser wahres Selbst finden, das ich bin ich. Wir befreien unser Selbst von den Einflüssen der Zeit und des Ortes. Das ist das Ziel der Innenschau. Ist diese Innenschau dieselbe Innenschau, die die Wahrheitsforscher derzeit ausüben? Nein. Derzeit praktizieren wir die ersten Schritte der Innenschau.

Die Innenschau, die wir jetzt machen, und die Übungen, die wir geben, ist die Arbeit im Dschungel, nicht die Arbeit im Selbst. Wir haben die Stufe der Eingebung und Kontemplation noch nicht erreicht. Jetzt sind wir noch die Wesenheit, die forscht. Doch diese Arbeit ist notwendig, damit wir durch den Dschungel hindurchkommen. Welche Art von Übungen meine ich? Dass wir Geschehnisse an die Oberfläche unseres Selbstbewusstseins, unseres Wachbewusstseins bringen. Setzen wir die Visualisierung ein, wenn wir das tun? Diese Elementale sind bereits da! Es bedarf keiner Anstrengung, sie an die Oberfläche zu bringen. Wir müssen nur unsere Augen schließen und etwas sehen, was einige Stunden früher geschehen ist.

Visualisierung würde bedeuten, zu sehen, wie wir uns verhalten hätten sollen. Diese Art Übungen haben wir noch nicht gemacht. Die Übungen, die wir geben, sind Übungen zum Zwecke des Studiums, nicht Übungen, bei denen man zu einem Ergebnis kommt. Wir müssen viel Zeit im Dschungel unseres Unterbewusstseins verbringen. Doch wenn wir durch Beobachtung erforschen, was Sehen bedeutet, was Erinnerung ist, was Gedächtnis ist, was es bedeutet, Schauplätze, Formen und Personen an die Oberfläche unseres Bewusstseins zu bringen, werden wir erkennen, dass all dies unsere Wesensnatur ist, weil wir Götter sind!

Wir haben also von Anfang an einen Gewinn. Angenommen, wir erreichen eine Stufe, wo wir Herr werden über die Materie, und wir nicht länger von Wünschen oder materiellen Dingen beeinflusst sind. Das bedeutet ja nicht, dass wir nicht das haben sollten, was notwendig ist. Warum sollten wir es nicht haben? Christus hat es uns erlaubt. Er sagte: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes, so wird euch alles andere zufallen“. Er hat die Tür des Besitzens nicht zugemacht. „Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen.“

Er hat nicht gesagt: Beraubt euch des Gefühls, etwas auf gute Weise besitzen zu wollen. Er hat sogar von einem Ort gesprochen. „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen… ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten.“ Denn die Selbstheit findet Gefallen daran, an einem bestimmten Ort zu sein, bis das Selbst nicht länger eine Form benötigt, oder Dinge, die eine Form haben, wie z.B. Häuser und dergleichen. Was tun wir aber, bis wir diese Stufe erreicht haben?

Wir müssen uns mächtig anstrengen, das Wesen der Wünsche und Gedanken erforschen, und auf diese Weise den Pfad zwischen Zentrum 10 und Zentrum 8 zurücklegen, die Aufgaben des Herakles bewältigen. Wir müssen es tun! (Daskalos bezieht sich hier auf das Symbol des Lebens, links im Bild. Buch: Das Symbol des Lebens von Daskalos ISBN 9963-8162-1-5   ) Mit Hilfe von Visualisierung und Willenskraft müssen wir die Wahrheit suchen, die sich hinter diesen Aufgaben verbirgt. Es genügt nicht, die Lehre über die Herkulesaufgaben zu hören und es dabei zu belassen. Wir müssen es anwenden! Nachdem wir den Pfad zwischen Zentrum 10 und Zentrum 8 zurückgelegt haben, kehren wir ins Zentrum 10 zurück und beginnen von vorn. Wir müssen diesen Pfad sieben Mal zurücklegen! Dann werden wir uns auf dem mittleren Pfad vorfinden.

Wenn wir die Emotionen und Wünsche kontrollieren können, finden wir uns ohne Mühe in der psychischen Ebene wieder. Wir werden Meister des psychischen Körpers, den wir weitgehend veredelt haben. Doch wir werden dort nicht verweilen. Es gibt sieben weitere Stufen, und dann die Kreuzigung. Wir durchschreiten das Kreuz. Und wohin gehen wir von dort aus? Wir wollen Gott finden, unser wahres Selbst, unsere wahre Ich-heit. Wir müssen Gott im Zentrum 6 finden, in unserem Herzzentrum.

Jesus Christus sagte: „Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ Sie werden ihr wahres Selbst schauen! Wenn sie ihr wahres Selbst schauen, werden sie verstehen, was die Absolute Unendliche Seinsheit ist.

Wir wollen uns Gott nicht einfach als Überwesenheit vorstellen, die uns ähnlich ist. Wir können das Absolute nicht genau bestimmen. Ist es notwendig, auf die psychische Ebene, und danach auf die noetische Ebene zu gehen (die dem Herzen entspricht), um Gott zu finden? Können wir Gott nicht hier auf Erden finden? Natürlich können wir das! Er ist allgegenwärtig! Und wo können wir Gott auf der materiellen Ebene finden? In unserer wahren Wesensnatur! Das kann uns sogar als menschliche Wesen gelingen, indem wir unseren menschlichen Charakter veredeln!

Doch wir müssen jeden Tag die Innenschau praktizieren. Dann werden wir an einen Punkt gelangen, wo wir sagen können: „Jetzt habe ich festgestellt, dass ich die Materie und meine Gefühle und Gedanken genug kontrolliert habe. Ich spüre, dass ich freier geworden bin.“  Nun müssen wir uns in das Selbst konzentrieren, alle Gefühle und alle Gedanken zur Ruhe bringen und in die Stille eintreten.

Eine Übung, der wir uns widmen werden, ist es, langsam zu denken. Versteht ihr, was ich meine, wenn ich von langsam denken spreche?  Und wir werden beginnen, langsam zu visualisieren. Momentan tun wir die Dinge übereilt, und das führt zu Verwirrung. Wir werden lernen, auf die richtige Weise zu denken, und allmählich werden wir die Stufe erreichen, wo wir die Stimme der Stille hören.

Wir werden das Echo unseres eigenen Selbst im Himmelreich hören. Dann werden wir die Selbstverwirklichung erlangen – in der Stimme der Stille. Es gibt keine passenderen Worte, diese Lebensweise und diese Art der Existenz zu erklären. Werden wir immer existieren? Viele haben Angst davor, aus der Welt der Existenz fortzugehen. Ich will es auf andere Weise ausdrücken: Werden wir immer in der Schaffensfreude Gottes verweilen und nicht in die Absolute Unendliche Seinsheit eintreten? Wer sagte denn, dass die Welten der Existenz nicht Teil der Absoluten Unendlichen Seinsheit, der Allweisheit Gottes sind? Unter den Welten der Existenz verstehen wir die Manifestation dessen, was bereits im ewigen Jetzt existiert. Alles existiert in Gott dem Vater – nicht, indem es Kreisläufe der Möglichkeiten beschreibt, sondern indem es einfach da ist.

Ist es nicht besser, im Ewigen Jetzt alles zu wissen, in allem zu leben und alles zu genießen, statt einen Kreislauf der Möglichkeiten zu durchlaufen? 

Mein Vater konnte in das Ewige Jetzt eintreten, und er sagte stets, dass es sehr angenehm und schön sei. Er bezeichnete es als Existenz jenseits vom Verständnis der Freude, die sie bereitet.

Die Welten der Existenz sind also in der Absoluten Unendlichen Seinsheit, in der Allweisheit im Ewigen Jetzt. Wir treten nicht in einen Zustand des Nichtvorhandenseins ein, da die Absolute Seinsheit auch die Absolute Selbstheit ist, die in sich die Grundidee des Selbst beherbergt.

Wenn es andere Existenzformen gibt als jene, die wir nun beschrieben haben – und es gibt viele andere – dann haben wir das Recht, diese zu kennen und zu genießen, und zwar durch Einswerdung mit den Erzengeln, indem wir zu diesen Erzengeln werden, und doch weiterhin wir selbst sind, mit unserer menschlichen Form.

Die Ich-heit geht niemals verloren. Was ist dann die Selbstheit und Ich-heit im Einssein, als Gott? Es bedeutet, alles werden zu können, was dieses Selbst werden möchte, ohne das wahre Selbst der Ich-heit zu verlieren.

Wir können zu einem Erzengel werden – zu irgendeinem Erzengel – indem wir uns mit diesem Erzengel verbinden. Sie werden das lieben. Sie werden zu einem von uns, und wir dürfen einer von ihnen werden. Und wir werden feststellen, dass wir unsere Ich-heit nicht verlieren.

Man Vater erzählte dies aus seiner eigenen Erfahrung. Er konnte eins werden mit den Raphaels, den Michaels, den Gabriels, und sogar mit dem über alles Geliebten, dem Logos, und doch blieb er er selbst. War er Stelios? Warum sollte er Stelios sein? War er Khor Aton? Da Vinci? Tolstoi? Warum sollten wir diese Namen tragen? War er einfach nur Mensch? Das war er mit Sicherheit!

Wir können der Menschensohn sein. Sind wir einmal als Geist-Seele durch das Urbild des Menschen hindurchgegangen und Mensch geworden, so wird das immer unsere Wesensnatur sein. Worauf es in unserer Selbstheit ankommt ist nicht die materielle Form, sondern die Form schlechthin. Nicht der psychische Körper mit seiner Form, sondern die Form schlechthin. Nicht der noetische Körper mit seiner Form, sondern die Form schlechthin.

Was ist der Unterschied zwischen den Formen dieser drei Körper? Da gibt es keinen Unterschied; sie sind die menschliche Form. Und was ist diese menschliche Form? Zwei Beine, zwei Arme, und ein Körper, der sich umherbewegt? Nein, dieser materielle Körper bekam seine Form entsprechend der Umstände und Bedingungen auf der Erde. 

Was ist dann unsere wahre menschliche Form? Die Selbstheit.

Wenn wir uns auf höhere Bewusstseinsstufen begeben, zum Selbstüberbewusstsein, können wir durch Einswerdung alles werden und uns an jeder Form erfreuen. Und wir werden alles über jede Art von Form wissen. Was wiederum beweist, dass wir Götter sind. Denn das ist die Wesensnatur Gottes. Wir können uns an der Allweisheit Gottes erfreuen.

Mein Vater sagte, dass Yiohannan diese Sachverhalte so dargebracht hätte, wie wir sie mit unseren menschlichen Maßstäben verstehen konnten. Doch es gäbe noch viele Dinge, die er hätte sagen können, wenn es nur Worte dafür gäbe. Es war nicht so, dass er diese Dinge nicht sagen wollte, oder dass es verboten war, über diese Dinge zu sprechen. Es gab einfach keine Worte, um sie auszudrücken.

Mein Vater sagte auch, dass Yiohannan und er uns während des Schlafes in diese Ebenen der Existenz mitnehmen würden. Denn die Lehre wird nicht nur durch mündliche Überlieferung in einem Vortragsraum auf Erden gelehrt. Er sagte, wir sollten tiefe Atemzüge nehmen, in die Stille eintreten und dann einschlafen. Vielleicht erinnerten wir uns am nächsten Morgen nicht an Einzelheiten, doch wir würden die Freude verspüren, dass wir etwas Wunderbares erlebt hatten. Mit der Zeit würden wir uns langsam an immer mehr erinnern.

Denn das menschliche Gehirn, diese Handvoll Erde, müsse trainiert werden, um die Strahlen des Geistes zu spiegeln, die es durchdringen. Aber wir sind ja nicht das menschliche Gehirn. Und wir sind auch nicht ein Häufchen schmutzige Materie, die reingewaschen werden muss!

Wir werden herausfinden, dass der menschliche Körper nichts ist im Vergleich zu unserem Geist-Selbst. Christus sagte: „Das Fleisch ist nichts nütze. Der Geist ist’s, der lebendig macht.“ Leben bedeutet also nicht, sich mit einem materiellen Körper umherzubewegen.

Unser materieller Körper ist wie der Panzer einer Schildkröte – sie muss ihn mit sich herumtragen. Die Erleuchteten in den noetischen Welten lachen manchmal, wenn sie uns im materiellen Körper umhergehen sehen, so wie wir lachen würden, wenn wir einer Schildkröte zusehen, die einen Berg erklimmt… Der materielle, der psychische und der noetische Körper sind nicht von so großer Bedeutung. Sie sind Instrumente, mit denen sich unser Selbst Ausdruck verleiht, wenn auch auf ziemlich ungeschickte Weise. Für uns ist es wichtig, herauszufinden, wer wir sind und was wir sind. Wir müssen die kostbare Perle finden! 

Und wie finden wir sie? Durch Beobachtung, durch die rechte Art der Meditation, durch Gebrauch der Geistsubstanz als Vernunft. Wir sollten der Erleuchtung durch Intuition und Kontemplation entgegensehen. Sie wird kommen!  Wir müssen umfassend das Bewusstsein, Unterbewusstsein, Überbewusstsein und Selbstbewusstsein erforschen.

Dabei erforschen wir nicht unser Selbst, sondern unsere Ausdrucksweise in den Welten der Existenz. In der Meditation müssen wir den Unterschied zwischen den verschiedenen Bewusstseinsstufen erkennen, damit wir wissen, wo wir sind, wenn wir diese zum Ausdruck bringen, und damit wir sie kontrollieren können. Und wer wird sie nun kontrollieren? Wir, denn wir haben herausgefunden, dass wir nicht diese Bewusstseinsformen sind.

Die wahre Lehre findet nicht statt, während ihr in diesem Raum auf diesen Stühlen sitzt, sondern auf der anderen Seite. Yiohannan wird euch dorthin mitnehmen, damit ihr weiter lernen könnt. Daskalos, 18. Februar 1992 in Strovolos auf Zypern

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.