Gut und Böse

(Dr. Stylianos Atteshlis – 12.12.1912 – 26.8.1995 – „Daskalos war ein christlicher Mystiker und Heiler. Mehr als siebzig Jahre lang hat er gelehrt und versucht, die Menschen aus ihrem spirituellen Dämmerzustand aufzuwecken. Obwohl er stets bereit war, zu helfen und zu heilen, wo immer und wann immer Hilfe nötig war, wollte er nie als Meister oder Guru betrachtet werden, sondern vielmehr als ein brüderlicher Lehrer und Freund. In den letzten Jahren seines Lebens kamen Wahrheitssucher aus allen Teilen der Welt in die Stoa nach Strovolos, um seine Vorträge zu hören und Heilung zu finden.“ Aus: Worte der Wahrheit… „Joshua Immanuel der Christus – Sein Leben auf Erden und seine Lehre.“ Dr. Stylianos Atteshlis hat das Manuskript zu diesem Buch in den letzten Jahren seines Lebens geschrieben. Er beschreibt, was sich vor zweitausend Jahren in Palästina zugetragen hat, aus seiner Sicht als christlicher Mystiker.) Joshua Immanuel der Christus

Daskalos: Heute sprechen wir über die Bedeutung von Gut und Böse. Ich habe gesagt, „die Bedeutung von Gut und Böse“, denn in Wahrheit existieren das Gute und das Böse nicht. Gut und Böse sind Konzepte, Wege um Dinge wahrzunehmen. Das absolute Gute existiert in der absoluten Realität, aber wir finden es nicht in der Welt der Getrenntheit.

Das Gegenteil vom Guten ist das Böse. Wir können Gut und Böse unterteilen in verschiedene Grade. Jedoch „das Gute“ kann nicht in verschiedene Grade unterteilt werden, denn es ist absolut.

In der Welt der Existenz, der Welt der Phänomene des Lebens, wenden wir Konzepte an und dies sind die Konzepte von Gut und Böse. Jenseits der Konzepte von Gut und Böse existiert das absolute Gute in der absoluten Wirklichkeit. (Wir nennen es auch die vollkommene Güte.) Das absolute Gute hat kein Gegenstück, denn es ist kein Konzept, sondern eine göttliche Wirklichkeit.

Wenn wir das, was wir einen bösen Geist nennen, einen Dämon oder Satan, als das Gegenteil des Göttlichen betrachten würden, dann hätten wir in den Universen zwei Bedingungen oder zwei Gottheiten, die gegen einander kämpfen würden. Vor der Zeit Christi hatten einige Religionen eine andere Auffassung (perception) von Gut und Böse und sie akzeptierten weder das Absolute, noch das Gute oder das Böse. Ganz besonders in Persien wurde ein Gott erschaffen, der in einem Moment der Schwäche den bösen Geist geboren haben soll. Auf diese Weise haben sie der Absoluten Seinsheit Schwäche und Inkompetenz verliehen. Wir sprechen von einer alten Religion in Mesopotamien. Andere Religionen aus dieser Region wurden von dieser Idee beeinflusst, denn die Menschen wollten alles vom Standpunkt der Konzepte aus betrachten und es war ihnen nicht möglich, die Wirklichkeit jenseits (dieser Konzepte) zu sehen.

Wir sind Christen und wir sehen die Dinge nicht auf diese Art und Weise. Wir sehen in Gott, der Absoluten Seinsheit nicht einen Gott mit Schwächen, der sein zweites Selbst, das Böse, in einem Moment der Schwäche geboren haben soll. Wenn dem so wäre, dann wären die vollkommene Weisheit, vollkommene Liebe und Güte und die vollkommene Macht nicht die Eigenschaften der Absoluten Seinsheit.

Ihr könnt fragen: Was ist die Rolle des „Bösen“ in den Universen? Ich wiederhole: Das Böse existiert nicht! Was existiert, ist Wirklichkeit, Wahrheit, Leben und Güte (das Gute? the good). Wir können in der materiellen Welt, der Welt der Getrenntheit, das Konzept von Gut und Böse finden. Wir können auch in den psychischen Welten Gut und Böse erkennen, wo sie sich als Höllen und Paradiese zeigen. Auf die gleiche Weise finden wir diese Höllen und Paradiese auch in den niederen noetischen Welten.

Wir empfangen das Konzept von Gut und Böse entsprechend unserem Standpunkt in Zeit und Ort und durch die Eindrücke die wir empfangen. Ich werde euch das erklären: Als lebende Existenz in der materiellen Welt, wird unser Standpunkt bestimmt durch unsere irdischen Interessen und Wahrnehmungen. Der durchschnittliche Mensch betrachtet all das als Gut oder Böse, was gegen seine materiellen, psychischen oder sogar noetischen Interessen verstösst. Was in seinem eigenen Sinn und Interesse ist und was er befürworten kann, das betracht er als gut. Im Laufe der Zeit lernen wir das Konzept von Gut und Böse in einem breiteren Verständnis (Massstab) zu verstehen. Dann werden wir in unserem System von Gut und Böse nicht nur noch unsere eigenen Interessen einbeziehen, sondern ebenso die Interessen unserer Geliebten, jenen Menschen die uns nahe stehen. Wir empfangen jedoch wiederum Bedingungen mit schmalen Grenzen. Könnt ihr euch die Bedeutung von Gut und Böse jenseits der Welt der Eindrücke vorstellen, jenseits der Welt der Phänomene in Zeit und Ort? Gut und Böse sind reine Zeit- und Ort-Bedingungen und Phänomene in der Welt der Getrenntheit, sogar jenseits unserer Wahrnehmung.

Wir beobachten, dass alle Menschen die Bedeutung von einem Ereignis (Etwas) auf verschiedene Art und Weise empfangen, entsprechend ihrem bisher gemachten Standpunkten und ihren Erfahrungen in Zeit und Ort. Ihre Konzepte von Gut und Böse entsprechen genau diesen Erfahrungen.

Es gibt keine guten oder bösen Menschen. Menschen leben in der Welt der Getrenntheit als unvollständige Wesen und die tiefere Bedeutung ihrer Existenz ist: Eindrücke zu empfangen, Erfahrungen zu machen und Wissen über die Wahrheit zu erlangen. Dieses Wissen wird sie von den Bindungen der Unwissenheit (ignorance) befreien.

Konsequenterweise, existieren deshalb nicht gute oder böse Menschen, denn das innere Selbst aller Menschen ist eine göttliche Monade und dessen Eigenschaft ist die vollkommene Güte (das absolute Gute). Die Eigenschaft der Ausdehnung der göttlichen, heiligen Monade aller Menschen ist das Seelen-Selbst-Gewahrsein.

Wiederum ist es die vollkommene Weisheit, die vollkommene Macht und die vollkommene Liebe und die vollkommene Güte (das absolute Gute). Der sterbliche Ausdruck in Zeit und Ort in der materiellen, den psychischen und noetischen Welten als permanentes und derzeitiges Persönlichkeits-Selbst, kann nicht gut oder böse sein. Aber es kann sich um eine Existenz handeln, die in der Welt der Dunkelheit und Unwissenheit lebt. Mit Hilfe des Seelen-Selbst-Gewahrseins, hat sie zu lernen diese Welt zu meistern und zu überwinden.

Dieses Persönlichkeits-Selbst als Existenz hat ein Verhalten in Zeit und Ort und macht natürlich Fehler in grösserem oder kleinerem Ausmass und es wird sich vernünftig oder dumm, unwissend oder wissend verhalten, entsprechend seinen Erfahrungen. Es wird in seinen Ängsten oder Schwächen leben bis der Punkt der  Perfektion erreicht wird. Wir sehen die Bedeutung vom Guten und Bösen als Phänomene in Zeit und Ort, als Zustände von kleiner Bedeutung, wie Wellen auf der Oberfläche des Ozeans.

Wir als Wahrheistsforscher werden nicht auf Gut und Böse um uns herum achten, indem wir auf die Bestrafung des Bösen hoffen und auf die Belohnung dessen was wir das Gute nennen. Wir haben darauf zu achten, dass wir im Gleichgewicht sind. Wir sollten uns freuen, wenn die Menschen die Nichtigkeit der Zeit- und Ort-Welt und deren Erfahrungen erkennen und lernen diese zu überwinden. Wir werden keine guten oder bösen Menschen sehen, sondern Menschen die versuchen sich zu entwickeln. Menschen, die auf demselben Pfad sind wie wir. Ihre Schritte sind wie die  unsrigen, sie gehen bergauf und ihre Füsse werden müde, wie die unsrigen. Der geliebte Christus sagte: „Richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden; Verdammt nicht, und ihr werdet nicht verdammt werden; vergebt, und euch wird vergeben werden.“ (Lukas: 6:37)

Während wir uns in der materiellen Welt befinden, sind wir den gleichen Bedingungen ausgesetzt wie die anderen Menschen und wir können nicht behaupten, dass wir nicht in Gefahr seien, wenn wir uns auf die gleiche Weise verhalten.

An erster und vorderster Stelle sehen wir das Gute und Böse als Zeit- und Ort-Bedingungen und als gewisse Verhaltensweisen von Wesen in verschiedenen Phasen der Entwicklung.

Wir haben das Böse zu ignorieren und kranken Menschen zu vergeben und sie zu bedauern. Wer kann einen kranken, geliebten Menschen sehen und gleichzeitig mit ihm böse sein? Ihr könnt nun fragen, ob wir demzufolge das böse Verhalten akzeptieren oder sogar gern haben sollen? Nein! Aber wir haben zu wissen, dass Feindschaft oder Schwächen Phänomene sind, die aus der Unwissenheit über die Wirklichkeit herführen und sie zeigen ein falsches Verhalten von Wesen, die sich immer noch entwickeln. Wir können das nicht ignorieren, ebenso wenig wie die Krankheit. Wir können Krankheit nicht bekämpfen, sondern wir haben die Menschen die krank sind zu lieben. Sie brauchen unsere Liebe und Aufmerksamkeit und wir haben uns um sie zu kümmern und wenn möglich die Krankheit zu heilen. Wir haben uns zu vergewissern, dass wir nicht dieselben Schwächen und Probleme in uns horten. Wir sollen uns nicht verhalten wie jene, über die Jesus sagte: „Was siehst du aber den Splitter im Auge des Bruders, doch den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?“ (Lukas 6:41)

Wir wollen, dass Krankheit aus dem materiellen Körper verschwindet und wir wollen, dass Schwächen, Feindschaften und Leidenschaften aus der Persönlichkeit verschwinden. Wir haben diese Bedingungen so gut wie möglich zu überwinden und gleichzeitig unsere kranken Mitmenschen zu lieben und ihnen zu helfen so gut wir können.

Ich erinnere mich, was mein Vater mir vor langer Zeit sagte, nachdem ich ihm erzählte, dass mir jemand in der Schule etwas gestohlen hatte: „Du musst Diebstahl nicht akzeptieren, aber hüte dich davor einen Mitmenschen einen Dieb zu nennen. Studiere die Umstände und wenn du erkennst, dass jemand wirklich ein Dieb ist, betrachte ihn als einen kranken Menschen, der deine Hilfe, deine Vergebung und deine Liebe braucht. Dann wird es dir möglich sein, das Verhalten vom Geliebten Einen, Joshua dem Christus auf Erden, besser zu verstehen. ER sah nirgendwo etwas Böses: ER wollte nur die Unvollkommenheit auslöschen. Hat er dagegen angekämpft? Nein. Warum nicht? Weil diese Art des Krieges Heuchelei ist. Die Feindschaft könnte gestärkt werden, wenn sie mehr Aufmerksamkeit erhält. Deshalb ist es besser sie zu ignorieren, als sie zu brandmarken und zu bekämpfen. Christus sah die Schwächen, die Unvollkommenheiten und er versuchte diese Schwächen von seinen Jüngern und seinen Geliebten zu entfernen und das bedeutet von der ganzen Welt. „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallet. Der Geist ist zwar willig, das Fleisch aber schwach.“ (Matthäus 26:40-42)

Aber was ist die Versuchung? Was könnte es anderes sein, als die Ursache des Konzepts (Vorstellung) des Bösen?

Wenn wir beginnen die Innenschau zu praktizieren, dann entscheiden wir darüber, uns auf die gleiche Ebene wie die anderen zu stellen. Wir werden nicht zwei Standards verwenden – einen für uns selbst und einen anderen für unsere Mitmenschen. Aber Achtung: Wir sollen nicht unfreundlich sein, weder zu uns selber noch zu den anderen. Das würde niemandem helfen. Wir haben unser Verhalten, und dasjenige der andern, zu studieren und einzutreten in Ursachen und Wirkungen dieses Verhaltens. Wenn wir unser Verhalten und dasjenige der anderen, unter gleichen Bedingungen vergleichen, dann wird es uns möglich sein, klarer zu sehen.

Verurteile nie einen Menschen, wenn du dich nicht in seine Lage versetzt hast und die Umstände studiert hast, die diese Reaktion ausgelöst haben. Es ist oberflächlich schnell zu kritisieren und andere Mitmenschen verantwortlich zu machen oder zu bestrafen. Ein echter Wahrheitssucher kann nicht als oberflächlich eingestuft werden.

Wenn wir beginnen, müssen wir das Konzept (die Vorstellung) von Gut und Böse ignorieren und nur noch unser Verhalten und das der anderen beobachten. Der Sinn besteht darin, Erfahrung zu gewinnen und der Nutzen wird psychischer Aufbau (upliftment=Erbauung) sein. Wir haben, so gut wir es vermögen, die Konzepte zu verlassen und in die Ursachen einzutreten. Dort werden wir die Wurzel von Gut und Böse finden und von dort aus können wir das was wir Böse nennen stoppen und etwas von besserer Qualität kultivieren, etwas das wir Gut nennen.

Wenn wir das Verhalten der Menschen studieren, speziell in unserer Gesellschaft, werden wir eine Mischung aus Gut und Böse in ein und den selben Taten finden. Wenn wir die Dinge genau untersuchen, dann beobachten wir, dass die Ergebnisse dieser Taten resultieren aus nicht vorsichtig genug untersuchten, vorangegangen Ursachen. Und jene, die sich auf eine bestimmte Art und Weise verhalten und dadurch Ursachen erschaffen, sind Opfer der Umstände.

Andere mögen diesen Menschen sagen, dass sie Glück haben, nicht noch schlechtere Bedingungen vorzufinden. Aber wir wissen, dass wir eine Versuchsperson (subject) unter dem Gesetz von Ursache und Wirkung sind. Wir werden nie die Schwierigkeiten unterschätzen, die Menschen auf ihrem Weg vorfinden, die durch Fehler aus der Vergangenheit verursacht wurden und die bereits wie Unkraut im Unterbewusstsein der Menschen existieren. Wir sollten jedoch nicht ängstlich sein, denn wir wissen, dass wir sie ausreissen können und neue Samen von besserer Qualität und nützliche Dinge an ihrer Stelle pflanzen können. Wenn wir einmal wissen, wie wir das umsetzen können, ist es möglich dies zu unseren Gunsten einzusetzen und mit anderen zu teilen.

Wir haben keine Zeit, um das was schlecht ist zu kritisieren und das was gut ist anzupreisen und wir können keine Belohnung für das Gute erwarten. Es ist einfach etwas das getan werden soll, es ist gut es zu tun und es gibt keinen Grund eine Belohnung zu erhalten, für etwas das getan werden soll.

Wir können Lob spenden, wenn es unsere Bestrebung ist, schwache Menschen zu ermuntern, damit sie mehr Kraft gewinnen und fortschreiten können.

Es ist nicht gut nach Lob zu streben für etwas, das selbsterklärend ist (self-evident) und in Wahrheit unsere Pflicht ist.

Wir sollen es vermeiden Menschen zu kritisieren, denn wenn wir das tun, stärken wir die Bedingungen die wir kritisieren und geben ihnen durch unsere Gedanken mehr Aufmerksamkeit.

Wir haben in unserer Forschung sehr vorsichtig zu sein und unser Verhalten in der Gesellschaft muss das Ergebnis von rationalem Studium im Licht Gottes sein, solange, bis wir die vollkommene Güte erreichen.

Fragen und Antworten

 Frage:

Wir sprachen darüber, dass wir Konzepte von Gut und Böse haben. Können wir das Gute als die Harmonie beschreiben und das Böse als die Verletzung des Gesetzes der Harmonie, dem Gesetz von Ursache und Wirkung?

Daskalos:

Gut und Böse sind Konzepte (concept: auch Vorstellungen) in den Welten der Existenz. Harmonie ist eine notwendige Bedingung in den Welten jenseits der Welten der Existenz. Natürlich muss Harmonie als Gesetz die Welten der Existenz erreichen und leiten (govern). Wenn wir von der Übertretung des Gesetzes der Harmonie in den Welten der Existenz sprechen, ist es dann wirklich eine Übertretung des Gesetzes oder nur das Konzept der Übertretung (violation: auch Verletzung)? Es ist für uns unakzeptabel, dass das Gesetz der Harmonie übertreten werden kann, nicht einmal in den Welten der Existenz. Es kann für eine bestimmte Zeit eine Disharmonie bestehen, aber dann wird das Gleichgewicht wiederhergestellt.

Ich gebe euch ein Beispiel:

In der materiellen Welt haben wir das Gesetz der Anziehung. Wir können dieses Gesetz zeitweise Unterbrechen, denn ein Gegenstand, wie ein Flugzeug, kann sich in die Lüfte erheben. Wird das Gesetz der Anziehung aufgelöst, wenn ein Flugzeug sich in die Lüfte erhebt und Leute von einem Land ins andere transportiert? Nein. Ist das Gesetz der Anziehung übertreten worden? Nein. Das Gesetz ist da, aber man könnte sagen, dass es zeitweise in der Welt von Zeit und Ort aufgehoben wurde.

Wie steht es nun mit dem Gesetz der Harmonie?

Wenn das Gesetz der göttlichen Harmonie, als göttliche Strahlung die Welten der Existenz erreicht, also die materielle Welt, kann dann dieser göttliche Strahl alles Böse aufnehmen (absorb: auch integrieren)? Nein. Alle Negativität und alles Böse ist aufgelöst.

Frage:

Können wir sagen, dass das Gesetz der Harmonie durch das Konzept des Bösen übertreten oder aufgehoben (suspend: auch ausgeschalten) wird?

Daskalos:

Wir können sagen, dass es übertreten wird, aber weil es als ewiges Gesetz existiert muss das Gleichgewicht wieder hergestellt werden (redress). Aus diesem Grunde kann das Phänomen des Bösen, oder das Konzept des Bösen, nicht für lange Zeit andauern.

Was ist das Ergebnis des Ganzen? Lasst uns die Quelle des Konzepts von Gut und Böse anschauen. Sie (die Quelle des Konzepts) ist das Bewusstsein des Menschen, ein Zustand, welcher tiefer ist (is lower), als das Selbst-Gewahrsein; Bewusstsein kann auch unterbewusstes Selbst-Gewahrsein sein. Nehmen wir an, dass wir etwas Materielles oder Nichtmaterielles haben wollen und dafür tun wir Dinge, die unsere Mitmenschen, ja sogar wir selber böse nennen würden. Wie lange würden wir uns so verhalten? Wiederum zeigt sich die Wiederherstellung des Gleichgewichts, das seine Quelle im Konzept des Bösen hat und das bedeutet im Bewusstsein und Selbst-Gewahrsein des Menschen. Wir haben dieses Phänomen, das wir die Stacheln des Bewusstseins (stings of consciousness //sollte es nicht stings of conciences heissen= Gewissensbisse?) nennen. Dieses Phänomen beweist, dass das Böse nichts als ein Konzept ist und wir haben gesagt: Das Gesetz der Harmonie kann nur vorübergehend übertreten werden.

Frage:

Ist es nicht unverzichtbar, gewisse Gesetze zu übertreten, denn auf diese Weise können wir lernen?

Daskalos:

Unverzichtbar? Die Absolute Seinsheit erlaubt zeitweise diese Übertretung der Gesetze. Deswegen muss es ein nötiger Zustand sein, damit wir seine Gesetze kennenlernen können. Aber bis zu welchem Grad müssen wir das Gesetz übertreten?

Frage:

Gibt es denn verschiedene Grade der Übertretung?

Daskalos:

Natürlich! Wenn es keine Bewegung in der Luft gäbe, dann könnten wir die Existenz dieses Elements nicht wahrnehmen? Nehmen wir an, dass wir diese Bewegung in der Luft erschaffen hätten, damit wir es (das Element) studieren können. Wir haben die Bewegung verursacht und fühlen sie auf unserem Gesicht und Händen und wir sehen die Blätter, wie sie sich am Baum bewegen. Wäre das nicht genug, um herauszufinden, dass das Element das wir Luft nennen existiert, sich bewegt und uns gewisse Phänomene aufzeigt? Wäre es nötig, durch unser Verhalten Wirbelstürme zu erschaffen, die Bäume ausreissen und die Umgebung zerstören? Das ist in diesem Ausmass nicht nötig, aber unglücklicherweise ist es genau das, was wir in der heutigen Welt beobachten.

Frage:

Können wir die menschlichen Wesen in bestimmte Ebenen einteilen? Wir wissen, dass alle Menschen entsprechend ihrer Entwicklung denken und handeln. Zum Beispiel: Ein Machtinhaber kann eine Atombombe abwerfen und Orte zerstören. Es liegt an dieser Person das zu tun oder nicht, ausser es mischen sich Andere ein, die diese böse Tat stoppen.

Wir wissen, dass der Mensch die Autorität hat zu tun was immer er auf Erden tun will, sogar die göttlichen Gesetze zu übertreten.

Daskalos:

Nein, die Dinge verhalten sich nicht genau so. Die Wächter haben das Wissen und die Weisheit und sie beobachten, dass die Übertretung der Gesetze den erlaubten Bereich (level=Ebene) nicht überschreitet.

Frage:

Aber sie haben die Atombomben abgeworfen und Millionen von Menschen getötet.

Daskalos:

Trotzdem, nicht jeden Tag. Wir können nicht bestimmte Ereignisse nehmen und daraus ein generelles Gesetz entstehen lassen (derive). Nicht einmal ein Blatt kann von einem Baum fallen, wenn es nicht Gottes Wille ist; was bedeutet, wenn es nicht innerhalb der Gesetze von Ursache und Wirkung ist. Die Übertretung muss innerhalb der erlaubten Grenzen sein.

Natürlich werden wir ernten, was wir gesät haben und die Lektion der Erfahrung entspricht den Taten. Aber die göttliche Gnade wird den schlimmsten Effekt von uns fernhalten, gerade so, dass wir es aushalten können. Es gibt also verschiedene Grade. Wir sind in diese Welt hinein geboren worden und wir sehen Übertretungen der Gesetze in verschiedenen Graden; vom leichten Einfluss, bis zur höchsten Übertretung. Aber wir sehen auch, dass nicht jeder die gleiche Ernte einbringt, denn wir haben das göttliche Gesetz von Ursache und Wirkung.

Somit kann jeder durch sein Verhalten wertvolle Lektionen lernen. Aber wir können auch Lektionen erhalten über die Erfahrungen anderer, die schlimmere und bitterere Lektionen durchleben als wir, diese studieren und darüber meditieren. Wir müssen uns nicht in ihre Position begeben und die gleichen Fehler machen wie sie. Deshalb hat uns Gott die Fähigkeit gegeben zu denken, und natürlich nur wenn wir es wollen, können wir diese benutzen und meditieren und dadurch Erfahrungen gewinnen, die über unser Denken integriert werden, an Stelle von schmerzhaften Konsequenzen. Wenn wir die Mittel, die uns zum nachdenken gegeben wurden gebrauchen und wenn wir Bedingungen ändern, werden wir erkennen, dass alles durch die göttlichen Gesetze regiert wird.

Frage:

Können wir sagen, dass die Wächter die verschiedenen Grade bis zu einem bestimmten erlaubten Mass, das nicht überschritten werden kann, festlegen (lay down –GH: ich kann den Sinn in diesem Wort nicht finden)?

Daskalos:

Natürlich. In den Apostelbriefen des Heiligen Paulus heisst es, dass niemand über das Mass dessen was er tragen kann hinaus,  in Versuchung geführt wird. „Eine andere als eine menschliche Versuchung hat euch nicht erfasst. Gott aber ist treu. Er wird es nicht zulassen, dass ihr über eure Kräfte versucht werdet, sondern wird mit der Versuchung auch einen Ausgang schaffen, der euch das Ertragen ermöglicht.“ (1. Korinther 10:13)

Frage:

Nehmen wir den Fall des Rauchens: Jeder weiss, dass es Probleme mit der Gesundheit verursacht. Welcher Art ist die Erfahrung, die ein Raucher gewinnen kann und auch jene, die um ihn herum durch sein Rauchen beeinträchtigt werden?

Daskalos:

Wir kennen die Grenzen, die weniger schädlichen, die schädlichen und auch die sehr schädlichen. Wenn wir übertreiben, werden wir entdecken, dass wir die Konsequenzen für unsere Taten vergegenwärtigen müssen: z.B. Bronchitis, Atemprobleme, Magenschmerzen oder Nierenprobleme.

Wenn die Menschen vernünftig sind, werden sie erkennen, dass das Rauchen ihren Organismus schwächt, Krankheit in ihrem Körper hervorruft und sie leiden lässt. Sie wären Dummköpfe, wenn sie das nicht beobachten würden. Deshalb werden sie für eine Weile damit aufhören, denn sie erkennen, sogar unbewusst, dass es schädlich ist. Aber sie werden wieder damit beginnen, denn es ist eine schlechte Gewohnheit. Nur einige Menschen sind ängstlich und beenden das Rauchen. Einige wagen es das Phänomen ihrer Krankheit mit andern Gründen zu rechtfertigen. Sie wollen es nicht wahrhaben, dass ihre Probleme vom Rauchen kommen. Für uns sind das unvernünftige  Menschen. Vielleicht entstehen schlimmere Bedingungen und es entwickeln sich Tuberkulose oder Lungenkrebs. Diese werden gefolgt von Erfahrungen des Schmerzes, Angst und Tod.

Einmal hat ein Student meinen Vater gefragt:

„Daskalos, wir werden geboren und wir wissen, dass wir eine gewisse Anzahl Jahre leben können, bevor wir wieder hinübergehen. Wenn wir es vom Standpunkt der Ewigkeit aus betrachten, spielt es eine Rolle, ob wir zehn oder zwanzig Jahre früher hinüber gehen?“

Daskalos:

„Natürlich spielt es eine Rolle, denn sogar ein einzelner Tag des Lebens in dieser Welt bringt uns Erfahrung und wir sind hier, um genau diese Erfahrung zu gewinnen. Von dem Moment an, indem das Persönlichkeits-Selbst ausgeht, empfängt und weiss es alles, denn das Seelen-Selbstgewahre-Selbst prägt alles auf die richtige Art und Weise. Wenn wir also früher hinübergehen und sehen sollten, dass wir nicht fähig waren die Realität vorher zu sehen, während wir noch in einem materiellen Körper lebten, würden wir die schwierige Erfahrung machen uns zu vergegenwärtigen und zu realisieren, dass wir diese schlimmen Konsequenzen nicht hätten, wenn wir uns auf die richtige Art und Weise verhalten hätten. Wir sehen in welchem Grad wir das Gesetz übertreten haben und wir verstehen die entsprechenden Grade der Erfahrung und des Schmerzes.

Das Rauchen betreffend frage ich euch: Wer weiss nicht, dass Rauchen schädlich ist? Wer ist nicht in der Lage vorherzusehen, was die Konsequenzen des Rauchens sind? Sogar jemand mit nur wenig Verstand kann das Schlechte das folgen wird vorhersehen.“

Frage:

Wenn wir in die psychische Welt eintreten (depart: abreisen, fortgehen), sind wir dann unmittelbar in der Position die Bedingungen der materiellen Welt zu empfangen oder sind wir schlafend?

Daskalos:

Wir sind schlafend. Bevor wir den Punkt erreichen, an dem wir bewusst in der psychischen Welt erwachen, fällt jede eintretende (departed) Persönlichkeit in einen angenehmen, süssen Schlaf. Es ist jedoch ein Schlaf voll von Erfahrungen. Dieser süsse Schlaf, der durch niemanden hier oder in der psychischen Welt gestört werden sollte, kann einige Minuten, einige Stunden, einige Tage oder einige Monate dauern. Zeit ist nicht wichtig und sie variiert bei jeder eintretenden (person who departs) Person. Aber während dieser Zeit, muss die eingetretene Persönlichkeit (departed personality), all ihre Erfahrungen rekapitulieren.

Die Rekapitulation der Erfahrungen und die Summe dessen was verfeinert werden muss, kann sehr schnell oder sehr langsam vor sich gehen. Dies hängt von der Entwicklung der eingetretenen Persönlichkeit ab. Eine schlafende Persönlichkeit kann die Erfahrungen besser absorbieren; das findet unterbewusst statt. Aber wir werden auf keinen Fall in irgendeiner Ebene oder Unterebene erweckt, bevor wir nicht das vollständige Konto (account) unseres eingetretenen Persönlichkeits-Selbst erhalten haben. Diese Zeitspanne dauert normalerweise 40 Tage, aber ich weiss, dass einige Menschen dies in 40 Minuten geschafft haben. Zeit zählt also nicht; was zählt ist die Fähigkeit des eintretenden Persönlichkeits-Selbstgewahren-Selbst Eindrücke zu empfangen.